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NRW: Kopfnoten auch ohne schriftliche Begründung

VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 06.11.2008 - 10:48

Düsseldorf (RP). Auf den Schulzeugnissen in NRW werden künftig nur noch drei statt bisher sechs Kopfnoten erscheinen. Dies hat der Schulausschuss des Landtags gestern mit den Stimmen von CDU und FDP gegen die Opposition beschlossen. Benotet werden Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit/Sorgfalt sowie das Sozialverhalten der Schüler, wobei die vierstufige Notenskala „sehr gut“, „gut“, „befriedigend“ oder „unbefriedigend“ vorsieht.

War bisher bei der Vergabe der schlechtesten Note („unbefriedigend“) eine schriftliche Begründung zwingend vorgeschrieben, so kann diese jetzt entfallen, wenn die Schulkonferenz dies so beschließt. Neu ist auch, dass Jugendliche, die sich in der Dualen Ausbildung befinden, auf ihren Berufsschul-Zeugnissen keine Kopfnoten bekommen. In der Grundschule werden sie in Zukunft erst am Ende von Klasse drei erteilt.

Während der Vorsitzende des Philologenverbandes, Peter Silbernagel, von einer akzeptablen Lösung sprach, bezweifelte GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber den Sinn von Kopfnoten. Ute Schäfer (SPD) warf Schulministerin Barbara Sommer (CDU) Wortbruch vor, weil entgegen ihrer Zusage nun doch keine gründliche Auswertung (Evaluation) der bisherigen Erfahrungen mit Kopfnoten vorgenommen worden sei. Es liege lediglich eine pseudo-wissenschaftliche Stellungnahme des Ministeriums vor. Auch die Bildungsexpertin Grit im Brahm (Ruhr-Uni Bochum) äußerte Zweifel an der wissenschaftlichen Fundierung der vorliegenden Auswertung.

Barbara Sommer wies die Kritik zurück. Es seien keineswegs nur Arbeitgeber nach ihrer Meinung zu Kopfnoten befragt worden, wie behauptet werde. Vielmehr seien in die schriftliche Vorlage ihres Hauses auch die Schilderungen von Lehrern, Eltern und Schülern eingeflossen. Alles in allem ergebe sich daraus, dass Kopfnoten ein sinnvolles und hilfreiches Instrument seien. Drei Noten seien ausreichend, auch wenn sie selbst zunächst vier Noten bevorzugt habe. Für Ute Schäfer ist angesichts dieses „Geschachers“ die Reduzierung auf drei Noten „reine Willkür“. Schäfer sagte voraus: „Das Kopfnoten-Chaos geht in die nächste Runde.“

Schul-Staatssekretär Günter Winands zeigte sich unterdessen zuversichtlich, dass sich die Schulen in evangelischer Trägerschaft, die sich bislang gegen Kopfnoten gesträubt haben, noch einlenken werden, so dass es auch hier zu einem „guten Ergebnis im Sinne des Ministeriums“ kommen werde. Die Evangelische Kirche hatte zum Thema Kopfnoten ein Gutachten in Auftrag gegeben, das aber angesichts der noch laufenden Gespräche vorerst nicht veröffentlicht werden soll, wie Winands erklärte.

Quelle: RP

 
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