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Kommunen schlagen Alarm
Hohe Kosten für Flüchtlingskinder

Kostenexplosion für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in den Städten
Flüchtlingskinder auf dem Gelände der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber Sachsen-Anhalts. Im Januar hatten die Behörden die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge auf 60.000 geschätzt. FOTO: dpa, jew pzi dna
Berlin. Der Städte- und Gemeindebund schätzt die Ausgaben für unbegleitete Minderjährige in diesem Jahr auf bis zu 2,7 Milliarden Euro. Teuer ist vor allem die Rund-um-Betreuung der jungen Flüchtlinge. Von Birgit Marschall

Die Kommunen in Deutschland schlagen Alarm wegen ihrer deutlich steigenden Ausgaben für die Betreuung von jungen Flüchtlingen, die sich alleine auf den Weg nach Deutschland gemacht haben. "Die Kosten für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge explodieren", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, unserer Redaktion. "Pro Monat fallen für sie zwischen 3000 und 5000 Euro an. Das sind bei derzeit über 65.000 jugendlichen Flüchtlingen in diesem Jahr schon schätzungsweise rund 2,7 Milliarden Euro", sagte Landsberg. Die Kosten müssten die Kommunen tragen.

Zahl unbegleiteter Flüchtlinge dürfte auf mindestens 65.000 gestiegen sein

Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Deutschland war im vergangenen Jahr kontinuierlich angestiegen. Viele Jugendliche werden von ihrer Familie vorgeschickt, um anschließend ein Recht auf Familiennachzug zu erhalten. Die Minderjährigen, die in ihren Heimatländern kaum Zukunftschancen haben, schlagen sich aber auch auf eigene Faust bis nach Deutschland durch. Im Januar hatten die Behörden die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge auf 60.000 geschätzt, bis heute dürfte sie auf mindestens 65.000 angestiegen sein. Von ihnen haben beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Jahr 2015 aber nur 14.439 einen Asylantrag gestellt.

Die meisten entscheiden sich für die sogenannte "Inobhutnahme". Dazu raten ihnen Hilfsorganisationen, da es Minderjährigen oft schwerfalle, ihre Asylgründe nachvollziehbar vorzutragen. "Auch das BAMF geht im Sinne des Kindeswohls davon aus, dass es in vielen Fällen sinnvoll sein kann, Minderjährigen die belastende Situation eines möglicherweise erfolglosen Asylverfahrens zu ersparen", sagte eine Sprecherin der Behörde. Auch die "Inobhutnahme" ermögliche es den Jugendlichen, zumindest vorübergehend in Deutschland zu bleiben.

Für ihre Versorgung und Betreuung sind die Jugendämter zuständig. Die jungen Migranten werden aber durch die Jugendhilfe genauso betreut wie schwer erziehbare Jugendliche, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen können und zumeist eine Rund-um-Betreuung durch Sozialarbeiter in Wohngemeinschaften erhalten.

Kommunen fordern "maßgeschneidertes Handlungskonzept"

"Es macht überhaupt keinen Sinn, dass für die jungen Flüchtlinge die gleichen Bedingungen gelten sollen wie bei der Jugendhilfe für schwer Erziehbare", sagte Landsberg. "Die jungen Migranten brauchen zum Beispiel keinen Sozialarbeiter, der sich rund um die Uhr um sie kümmert, weil sie besonders verhaltensauffällig sind." Junge Flüchtlinge benötigten vor allem Deutschkurse, Schulzugänge und Jobs. "Die Kommunen fordern daher ein maßgeschneidertes Handlungskonzept für die Integration speziell der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge", sagte Landsberg. "Den Betroffenen könnte gezielter und besser geholfen werden, gleichzeitig könnten die Ausgaben der Kommunen sinken."

Der Bundesfachverband für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge begrüßte inzwischen, dass die Koalition mit ihrem Integrationsgesetz den Zugang zu Arbeit und Ausbildung verbessern will. Den Entwurf wollen Union und SPD bei der Kabinettsklausur in der nächsten Woche verabschieden. Die immer striktere Trennung zwischen Personen mit und ohne "gute Bleibeperspektive" sowie jenen aus "sicheren Herkunftsländern" führe jedoch dazu, dass Kinder und Jugendliche in den Unterkünften immer öfter Diskriminierung wegen ihrer Herkunft erlebten.

Quelle: RP
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