Oberbürgermeister Tiefensee kritisiert Gerichtsentscheidung: Krawalle bei Demonstration gegen Neonazis
zuletzt aktualisiert: 03.10.2004 - 20:44Leipzig (rpo). Bei Protesten gegen eine Nazi-Demonstartion in Leipzig hat es am Sonntag Krawalle gegeben. Neben den rund 150 Neonazis war eine Reihe von Gegendemonstranten angereits. Ein Polizist wurde bei den Ausschreitungen verletzt.
Gegendemonstranten bauten Barrikaden aus Müllcontainern auf und zündeten diese an. Ein Polizeibeamter wurde durch einen Flaschenwurf am Kopf verletzt. Organisator des Neonazi-Aufzugs war der Hamburger Christian Worch.
Er hatte zum Zug in den Leipziger Süden aufgerufen, wo vor allem die linke Szene ihre Quartiere hat. Mehrere tausend Gegendemonstranten waren auf den Straßen. Die Polizei hielt die Demonstrationen voneinander getrennt und setzte auch Wasserwerfer ein.
Vor Beginn des Aufmarsches hatte Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee das Oberverwaltungsgericht in Bautzen kritisiert. Das Verwaltungsgericht Leipzig hatte die von Worch angemeldete Marschstrecke aus Sicherheitsgründen nicht genehmigt, jedoch gaben die Oberverwaltungsrichter einem Einspruch Worchs gegen die Entscheidung statt.
Zehn Randalierer festgenommen
"Ich wünschte mir, dass die Gerichte eine einheitliche Sprache sprächen und die wenigen Auflagen, die wir gemacht haben, respektiert würden", erklärte Tiefensee. Er habe Sorge, dass dieser Sonntag nicht friedlich bleibe, äußerte der SPD-Politiker.
Wenige Stunden später hielten etwa 1.000 gewaltbereite Gegendemonstranten Polizei und Feuerwehr in Atem, indem sie an mehreren Stellen in der Stadt Barrikaden aufbauten und anzündeten. Immer wieder wurden Steine gegen die vorrückenden Polizisten geworfen und Leuchtraketen in Richtung der Beamten abgefeuert. An einer Bankfiliale gingen die Fensterscheiben zu Bruch. Die Polizei nahm zehn Randalierer vorläufig fest, eine Person wurde in Präventivgewahrsam genommen.
Es gab aber auch friedliche Proteste. An einer Veranstaltung, zu der etwa 50 Initiativen, Gewerkschaften und Einzelpersonen aufgerufen hatten, beteiligten sich nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes an die 4.000 Menschen.
Bis zum späten Nachmittag hatte sich der Zug der Neonazis noch nicht in Bewegung gesetzt. Wegen der akuten Gefährdung der Demonstrationsteilnehmer hatten Polizei und Ordnungsamt die von Worch geplante Marschroute erneut untersagt. Eine angebotene Alternative lehnte der Hamburger jedoch ab. Er wollte bis zum Ablauf der von ihm angemeldeten Demonstrationszeit um 20.00 Uhr am Sammelplatz der Rechtsextremisten ausharren.
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