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Leipzig und Rostock: Krawalle bei Neonazi-Aufmärschen

zuletzt aktualisiert: 01.05.2006 - 17:53

Leipzig (rpo). Zu schweren Ausschreitungen ist es am Montag bei Neonazi-Aufmärschen in Leipzig und Rostock gekommen. In Leipzig brannten Container und Autos, in Rostock flogen Flaschen und Steine gegen Polizisten. Insgesamt tausende Menschen demonstrierten gegen die Aufmärschen von Rechtsextremen in beiden Städten.

In Leipzig blockierten nach Polizeiangaben insgesamt 5.000 Demonstranten zwei Neonazi-Demos, die in den linksalternativ geprägten Stadtteil Connewitz führen sollten. In Rostock demonstrierten rund 2.000 Menschen gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD mit über 1.000 Teilnehmern. An der dortigen Gegenkundgebung beteiligte sich auch der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff (SPD).

Mehrere tausend Demonstranten verhinderten in Lepizig zunächst den geplanten Marsch der Rechtsextremisten um Christian Worch und Steffen Hupka in den linksalternativ geprägten Stadtteil Connewitz. Worch und Hupka hatten für ihre Aufmärsche jeweils etwa 500 Teilnehmer angemeldet. Nach Angaben der Polizei sammelten sich an den Aufmarschplätzen aber lediglich 220 beziehungsweise 320 Rechtsradikale.

Am Bahnhof, wo Hupka seine Anhänger versammelt hatte, stellten sich etwa 5.000 Demonstranten den Neonazis friedlich entgegen. Hupka erklärte nach etwa dreistündiger Wartezeit das Ende seiner Veranstaltung. Vergeblich versuchten die Rechtsextremisten noch, einige hundert Meter weit zu marschieren. Sie wurden von der Polizei gestoppt.

Den Worch-Anhängern gelang es, etwa einen Kilometer weit zu kommen. Da auf der ursprünglich geplanten Route Müllcontainer brannten, wurde der Aufmarsch jedoch umgeleitet. Der Zug der Rechten wurde in einem Baustellenbereich gestoppt, wo gewaltbereite Gegendemonstranten sie mit einem Steinhagel empfingen. Zudem wurden Leuchtraketen abgeschossen und Flaschen geworfen. Worch drehte mit seiner Gruppe um. Gegen 16.40 Uhr erklärte er die Demonstration für beendet.

Viele Verletzte durch Wurfgeschosse

Die Polizei, die mit etwa 1.000 gewaltbereiten Störern und Steinewerfern gerechnet hatte, sah sich jedoch etwa 3.000 zum Teil vermummten Gewalttätern gegenüber. Bis zum frühen Abend wurden 32 Festnahmen gemeldet, zur Zahl der Verletzten gab es zunächst keine Angaben. Es wurden jedoch auf allen Seiten Personen durch Wurfgeschosse verletzt. Am Vorabend des 1. Mai hatten sich bis zu 17.000 meist jugendliche Besucher zu einem traditionellen Konzert "Courage zeigen" am Völkerschlachtdenkmal versammelt, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren.

In Rostock wurden am Rande der Demonstrationen der linken und rechten Szene zahlreiche Menschen festgenommen, darunter etwa 40 Störer aus dem linken Lager, die mit Steinen und Flaschen auf Sicherheitskräfte warfen, sowie 200 gewaltbereite Autonome, die von der Polizei eingekesselt wurden. Vertreter von Gewerkschaften, politischen Parteien, Antifa-Gruppen, Bürgerinitiativen und Vereinen begegneten dem NPD-Auftritt unter dem Motto "Rostock bleibt bunt" mit Gegendemonstrationen sowie politischen und kulturellen Veranstaltungen.

Mehr als 4.000 Polizisten aus sechs Bundesländern waren seit dem frühen Morgen aufgeboten, um Zusammenstöße der verschiedenen Lager zu verhindern. Vorbeugend war die Rostocker Innenstadt weitgehend für den privaten und öffentlichen Verkehr gesperrt worden. Passanten wurden kontrolliert. Die erwartete Gesamtzahl von bis zu 25.000 Demonstranten wurde unter anderem deshalb nicht erreicht. Die Polizei schätzte insgesamt 6.000 Teilnehmer. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) sagte auf einer DGB-Kundgebung, es sei wichtig, ein deutliches Zeichen gegen Rechts und für Toleranz zu setzen.

Quelle: ap

 
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