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G20-Gipfel
Fast 200 Polizisten bei Krawallen in Hamburg verletzt

G20 in Hamburg: Schwere Krawalle am Freitagabend
G20 in Hamburg: Schwere Krawalle am Freitagabend FOTO: afp
Hamburg . Immer wieder aufflammende Krawalle, Straßenblockaden, brennende Autos, fast 200 verletzte Polizisten und Festnahmen: Die Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg sind am Freitag erneut eskaliert.

Auch am späten Freitagabend war keine Entspannung in Sicht. Im Schanzenviertel brannten Barrikaden, es kam zu Zusammenstößen zwischen Krawallmachern und der Polizei. In St. Pauli versammelten sich nach Angaben der Polizei etwa 1000 Demonstranten zu der Kundgebung "Revolutionäre Anti-G20-Demo". Sie steht unter dem Motto "G20 entern - Kapitalismus versenken". 

Während Polizei und Demonstranten sich gegenseitig für die Zuspitzung verantwortlich machten, forderten Politiker harte Strafen für Gewalttäter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte die gewalttätigen Proteste als "nicht zu akzeptieren".

Den ganzen Tag über blockierten Demonstrantengruppen an mehreren Stellen in der Innenstadt die Fahrtstrecken der Delegationen, um die Abläufe des Gipfels zu stören. Die Polizei räumte Straßen und setzte dabei unter anderem auch Wasserwerfer ein. An anderen Stellen griffen militante Täter derweil den Beamten zufolge immer wieder Einsatzkräfte an, zündeten Autos an, schlugen Fensterscheiben ein und errichteten Straßenbarrikaden.

G20-Gipfel: In Hamburgs Straßen brennen die Autos

Laut Polizei nutzten sie dabei mitunter Eisenstangen und warfen Molotowcocktails, es gab Verletzte durch den Beschuss mit Stahlkugeln aus Zwillen. Im Schanzenviertel gab ein Beamter nach Polizeiangaben am Abend einen Warnschuss ab, nachdem er von Gewalttätern massiv bedrängt worden war. Bereits am Nachmittag kam es am Hafen in der Nähe der Elbphilharmonie erneut zu Ausschreitungen. Die Polizei berichtete, sie sei massiv mit Gegenständen beworfen worden und habe Wasserwerfer eingesetzt. In der Elbphilharmonie versammelten sich am Abend die Teilnehmer des G20-Gipfels zu einem Konzert.

Polizei fordert weitere Hundertschaften an

Wegen der anhaltenden Auseinandersetzungen forderte die Hamburger Polizeiführung am Freitag weitere Hundertschaften aus anderen Bundesländern zur Unterstützung nach. Es seien "zusätzliche Alarmierungsstufen" ausgelöst worden, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Nach Angaben von Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sollte die Zahl der eingesetzten Polizisten am Ende wohl bei bis zu 21.000 liegen.

G20-Demo "Welcome to Hell" eskaliert

Die schweren Ausschreitungen hatten am Donnerstagabend begonnen und sich bereits die gesamte Nacht über fortgesetzt. Der Polizei zufolge wurden bislang etwa Beamte 196 verletzt. Es gab zudem 71 Fest- sowie 15 Ingewahrsamnahmen.

Im Stadtteil Bahrenfeld verletzten sich elf G20-Gegner schwer. Sie waren laut Feuerwehr in Folge eines Polizeieinsatzes über eine Mauer mit Absperrgitter geklettert und vier Meter tief abgestürzt, als das Gitter brach. Drei weitere Demonstranten wurden leicht verletzt. Die Beamten erklärten, die Hintergründe des Vorfalls würden untersucht.

G20: Straßenschlachten am Freitagnachmittag FOTO: dpa, vge

Aktivisten zufrieden mit Störaktionen

Die G20-Gegner zeigten sich zufrieden mit ihren Blockadeaktionen auf den Straßen der Innenstadt. Durch die Verzögerungen bei der Anreise von einigen Delegationen sei "erfolgreich Sand ins Getriebe des Gipfels gestreut" worden, erklärte die Sprecherin der Organisation Block G20, Jana Schneider.

Die Initiative warf der Polizei vor, bei Räumungen "enthemmte Gewalt" mit Pfefferspray und Wasserwerfern angewandt zu haben. Wegen der unübersichtliche Lage konnte die Frau von US-Präsident Donald Trump, Melania Trump, einen Teil ihres Besuchsprogramms nicht absolvieren.

Justizminister fordert Strafen

Grote kritisierte am Freitag die "hohe kriminelle Energie" der Protestierenden. Merkel sagte, sie habe Verständnis für friedlichen Protest, aber gewalttätige Demonstrationen brächten "Menschenleben in Gefahr" und seien "nicht zu akzeptieren". Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Ausschreitungen in Hamburg.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) forderte konsequente Strafen. "Diejenigen, die Straftaten begehen unter dem Deckmantel des Demonstrationsrechts, die gehören nicht auf die Straße, sondern die gehören vor ein Gericht."

(felt/AFP/dpa/)
 
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