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Verkehrsunfall
Krefelderin in London von Lkw überrollt - Freispruch für Unglücksfahrer

Verkehrsunfall: Krefelderin in London von Lkw überrollt - Freispruch für Unglücksfahrer
Marcel Gehlau und Andrea Tasic können den Freispruch des Lkw-Fahrers nicht nachvollziehen. RP-Foto: Lammertz FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Janina Gehlau starb 2014 bei einem Verkehrsunfall in der Londoner Innenstadt. Sie wurde von einem Lkw überrollt. Mutter und Mann warten bis heute vergeblich auf eine Entschuldigung. Von Markus Plüm

Für Andrea Tasic und Marcel Gehlaus ist der 20. Oktober 2014 ein Horrortag: An diesem Datum verloren Mutter und Ehemann mit Janina Gehlau den Menschen, der für sie Lebensinhalt war. Die 26-jährige Krefelderin starb bei einem Verkehrsunfall in London. Jetzt stand der Fahrer in der englischen Hauptstadt vor Gericht. Der Schock für Mutter und Witwer: Der Angeklagte zeigte nicht das geringste Mitgefühl - er wurde freigesprochen.

Wie in einem Film liefen im Prozess die letzten Tage im Leben von Janina Gehlau noch einmal vor den Familienangehörigen ab. Die 26-Jährige freute sich im September 2014 auf drei Monate Praktikum in London. Die Krefelderin stand kurz vor dem Abschluss des Studiums der Kunstgeschichte und hatte sich wegen der florierenden Kunstszene für den Aufenthalt in der britischen Metropole entschieden. Mit einem gebrauchten Fahrrad erkundete sie in der Freizeit die englische Hauptstadt. Am Morgen des 17. Oktober 2014 geschah das Unfassbare: An der belebten Kreuzung "Ludgate Circus" übersah ein Lkw-Fahrer beim Linksabbiegen die Krefelderin. Das tonnenschwere Fahrzeug überrollte sie - drei Tage später erlag Janina Gehlau im Royal London Hospital ihren schweren inneren Verletzungen.

Im Prozess wurden Ehemann Marcel und ihre Mutter hautnah mit dem Unfallgeschehen konfrontiert. Nach drei Verhandlungstagen verkündete die Jury ihr Urteil: Freispruch. "Für uns der blanke Horror", so Andrea Tasic. Dass der Richter hinterher nachdrücklich zu erklären versuchte, das Urteil sei auf unterschiedliche Straßenverkehrsregeln zurückzuführen und keinesfalls als Kritik an der Getöteten zu verstehen, ist für beide kein Trost. Wenige Tage vor dem Unfall hatte Andrea Tasic ihre Tochter noch in London besucht und sie eindringlich vor dem Verkehr gewarnt.

Der Fall der jungen Krefelderin reiht sich in eine lange Liste von tödlichen Fahrradunfällen genau an dieser Kreuzung ein. Acht Menschen starben am "Ludgate Circus" in wenigen Jahren. Überhaupt sind Londons Straßen ein gefährliches Pflaster für Radfahrer. Seit Jahren schon wird in der Hauptstadt darüber diskutiert, wie man Fahrradfahrer besser schützen könnte. Die Regierung nahm eigens dafür 300 Millionen Euro in die Hand, um 33 neuralgische Kreuzungen zu entschärfen. "Passiert ist aber noch nicht viel. Auch am ,Ludgate Circus' ist in den zwei Jahren fast nichts verändert worden", so Tasic.

Dabei weiß die Mutter: Die Sicherheitseinrichtungen vor Ort hätten eigentlich auch 2014 schon ausgereicht, um den Unfall zu vermeiden. Ein Blick des Unfallfahrers in einen am Straßenrand montierten Spiegel hätte ausgereicht, um die Radfahrerin zu sehen. Marcel Gehlau: "Der Fahrer sagte aber, dieser Spiegel sei für ihn nicht relevant, nur die Fahrzeugspiegel. Und darin habe er Janina nicht gesehen. Seiner Meinung nach habe er nichts falsch gemacht."

Schlimmer ist für den 28-jährigen Witwer allerdings die fehlende Reue des Fahrers. "Er hat Janina ja nicht absichtlich überfahren. Aber er hat sich in den drei Verhandlungstagen auch nicht einmal bei uns entschuldigt. Das wäre doch das Mindeste gewesen." Daher wolle man sich mit dem Urteil auch nicht abfinden. Andrea Tasic: "Wir werden auf jeden Fall noch Zivilklage einreichen und weiter für Janina kämpfen."

Quelle: RP
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