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FDP-Politiker gießt Öl ins Feuer
Kubicki spekuliert über Westerwelle-Nachfolge

FDP-Politiker gießt Öl ins Feuer: Kubicki spekuliert über Westerwelle-Nachfolge
FOTO: ddp
Hamburg (RPO). In der FDP herrscht Unruhe. Das liegt nicht nur an Guido Westerwelle. Auch ein Landespolitiker aus Schleswig-Holstein tut sich immer wieder mit Polemik und Beiß-Rhetorik hervor. Bei der CSU hat er sich damit den Ruf eines "schweinegrippe-infizierten Quartalspinners" eingehandelt. Nun bringt Wolfgang Kubicki auch noch seinen eigenen Parteichef in Schwierigkeiten.

In einem der vielen Interviews, die Kubicki immer wieder gerne gibt, heizt der liberale Politiker die Führungsdebatte um den Parteivorsitzenden Guido Westerwelle an. Sogar mögliche Nachfolger hat er schon im Sinn. Im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt" nennt Kubicki Gesundheitsminister Philipp Rösler und Generalsekretär Christian Lindner als Kandidaten.

Erst im Nachklapp weist er darauf hin, dass es derzeit keine Diskussion über einen Führungswechsel gebe, weil weit und breit kein Nachfolger in Sicht sei. Im Satz danach spricht er im Hinblick auf den angeschlagenen Bundesvorsitzenden dann schon wieder von einer Übergangszeit. Unersetzlich bis auf Abruf in vier bis fünf Jahren - so ordnet Wolfgang Kubicki den Stellenwert seines Parteichefs ein. Unnötig wie ein Kropf, mag sich so mancher denken, der sich mehr Parteidisziplin bei den Liberalen wünscht. Und was Westerwelle sich denkt, möchte man am liebsten gar nicht erfahren.

Immer gut für einen Spruch

Den dazu passenden Konter handelte sich der FDP-Fraktionschef im Kieler Landtag umgehend ein: Der niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode (ebenfalls FDP) mahnte in der selben Zeitung, er könne "nur raten, miteinander zu reden statt übereinander." "Statt einer FDP-internen Führungsdebatte sollten wir lieber darüber diskutieren, wie in diesem Land mit unterschiedlichen Auffassungen umgegangen wird - und der Freiheit, diese zu äußern."

Bode appellierte an seine Parteifreunde: "Wer jetzt sein Image auf Kosten des Außenministers aufpolieren will, hilft Deutschland nicht weiter."

Kubicki schert das traditionell nicht. Der Mann ist immer gut für einen Querschuss und eine eigenwillige These, stets garniert mit einem starken Spruch. "Wenn er hinter dir in die Drehtür eintritt, kommt er vor dir wieder raus", spottete einst ein Parteifreund.

Ein mangelndes Interesse an Profilierung lässt sich dem Landespolitiker jedenfalls nicht vorwerfen. Ob politisches Kalkül dahintersteckt oder auch nur die pure Lust am permanenten Aufruhr - selbst Parteifreunde wundern sich immer wieder über die verbalen Ausfälle des grauhaarigen Mannes aus dem Norden.

"Feuer frei von jedem"

Jetzt aber hat er im "Zeit"-Interview so derbe ausgeteilt, dass auch sonst wohlwollende Kollegen besorgt die Stirn runzeln. Darin ging Kubicki nicht zuletzt mit Parteifreunden hart ins Gericht. Mit Blick auf die Debatte rund um Parteichef Guido Westerwelle sagte er dem Blatt: "Wir haben Protagonisten in der Partei, die - weil sie keinen Arsch in der Hose haben - immer behaupten, die anderen seien schuld." In diesem Zusammenhang nannte er den stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Andreas Pinkwart sowie Vorstandsmitglied Cornelia Pieper.

Auch die CSU weiß davon zu singen. Mitte der Woche machte Kubicki in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" ein Fass auf und drohte den Bayern mit Dauerangriffen der Liberalen. Nach der Wahl in NRW werde die FDP einen deutlich härteren Kurs gegen die Unionsparteien fahren. Vor allem bei Angriffen auf die CSU wollten die Liberalen "jede Hemmung fallen lassen". Laut "Zeit" fügte Kubicki mit Verweis auf CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hinzu: "Diesen CSU-Generalsekretär werden wir uns als Erstes vornehmen. Feuer frei von jedem."

Er scheut selbst schmutzige Wäsche nicht

Zudem spielte Kubicki offenbar auf das vor knapp drei Jahren geborene außereheliche Kind von CSU-Chef Horst Seehofer an. "Und warum nicht auch mal den CSU-Chef Horst Seehofer fragen: Hat Ihre Abneigung gegen die Kopfpauschale auch damit zu tun, dass Ihre Familienplanung etwas aus dem Ruder gelaufen ist?", sagte Kubicki. Seehofer hatte sich zu dem Kind bekannt.

In der CSU fand Kubicki zumindest ebenbürtige Gegner. "Dem Kubicki ist wohl die Schweinegrippe aufs Gehirn geschlagen. Für solche politischen Quartalsspinner wie Kubicki kann sich die FDP nur schämen." CSU-Chef Horst Seehofer begnügte sich damit, die Entschuldigung seines FDP-Wirtschaftsministers in München anzunehmen.

Der verheerende Eindruck einer Verwahrlosung der politischen Sitten, wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel noch am Mittwoch im Bundestag beklagt hatte, bleibt. Deutschland findet sich wieder in einer politischen Schlammschlacht auf schier unterirdischem Niveau. Dem fassungslosen Wähler bleibt nur das Staunen übrig.

Ein Solo-Trip

Ob der langjährige Freund Jürgen Möllemanns sich mit einem solchen Verhalten dauerhaft im Bundesvorstand seiner Partei halten kann, steht auf einem anderen Blatt. Die FDP-Führung hielt das Nordlicht nach seinem Ritt gegen Freund und Feind auf Distanz. Es handle sich dabei um eine merkwürdige Einzelmeinung.

Der 58-Jährige scheint ohnehin nicht an einer bundespolitischen Karriere interessiert zu sein. Schon Ministerehren in Kiel lehnte er ab. Kubicki wollte sich lieber um seine Rechtsanwaltpraxis kümmern. Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit lässt sich schließlich auch über diesen Berufszweig stillen. Kubicki war unter anderem als Rechtsbeistand in der VW-Korruptionsaffäre tätig.

Mit Agenturmaterial

(Von Philipp Stempel/pst)
 
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