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Bei Umzug verloren?: Kurnaz-Akten im BND spurlos verschwunden

zuletzt aktualisiert: 20.02.2007 - 07:25

Berlin (RPO). Der Bundesnachrichtendienst hat offenbar wichtige Unterlagen zum Fall Murat Kurnaz verloren. Es handelt sich um Protokolle, die Kurnaz vom Vorwurf entlasten, ein gefährlicher Islamist zu sein oder mit Terroristen Kontakt zu haben. Der BND selbst erklärte, er wisse nicht, wo die Papiere geblieben sind.

Es handele sich bei den verschwundenen Akten um Protokolle von Vernehmungen von Murat Kurnaz durch den US-Geheimdienst CIA, berichtet die "Berliner Zeitung". Aussagen von BND-Mitarbeitern zufolge entlasten die Aufzeichnungen aus dem Jahr 2002 Kurnaz von dem Vorwurf, ein gefährlicher Islamist zu sein oder Beziehungen zu Taliban und El-Kaida-Aktivisten zu unterhalten.

Dem Bericht zufolge war der Verlust der Akten bei der Vernehmung eines BND-Mitarbeiters durch den Untersuchungsausschuss Anfang Februar zur Sprache gekommen. Er sei in einem bislang noch "VS-Vertraulich" eingestuften Ausschussprotokoll dokumentiert, das dem Blatt vorliegt.

Demnach habe mindestens einer der drei deutschen Geheimdienstler, die Kurnaz Ende September 2002 in Guantanamo befragten, in Vorbereitung seiner Dienstreise die von den US-Behörden dem BND überlassenen Vernehmungsprotokolle gelesen.

Auf die Frage des Ausschussvorsitzenden Siegfried Kauder (CDU) nach dem Verbleib dieser Protokolle habe ein BND-Beamter, der in einer Art beratenden Funktion an den Ausschusssitzungen teilnimmt, geantwortet, dass der Geheimdienst keine Ahnung habe, wo die Protokolle abgeblieben seien.

Wörtlich sagte er: "Was diese Unterlagen anbelangt, muss ich leider selber sagen: Wir wissen nicht, was passiert ist. Die Dienststelle ist zwischendurch von München nach Berlin gezogen und hat in diesem Zuge sehr umfangreich Akten vernichtet. Was mit diesen Unterlagen konkret passiert ist, wissen wir leider nicht."

Die verschwundenen Protokolle geben demnach Verhöre von Kurnaz wieder, die US-Geheimdienstler zwischen Februar und Sommer 2002 in Guantanamo führten. Es solle sich dabei um mehr als zwei Dutzend Vernehmungsniederschriften handeln.

Sie seien von großer Bedeutung für die vom Untersuchungsausschuss zu klärende Frage, welche Erkenntnisse deutschen Geheimdiensten und der Bundesregierung im Herbst 2002 über die angebliche Gefährlichkeit von Kurnaz vorlagen.

Quelle: afp

 
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