Ex-SPD-Chef stellt Biografie vor: Kurt Beck räumt Fehler ein
zuletzt aktualisiert: 22.09.2008 - 06:13Berlin (RPO). Eigentlich wollte Kurt Beck seine Biografie bereits vor einigen Wochen vorgestellt haben. Doch nach seinem überraschenden Rücktritt als SPD-Chef wurde der Termin verschoben. In dem Buch, das am kommenden Donnerstag erscheint, kritisiert der Politiker seinen Nachfolger Frank Müntefering - und räumt zugleich Fehler ein.
"Kurt Beck. Ein Sozialdemokrat" ist der Titel von Kurt Becks Biografie, die am kommenden Donnerstag erscheint und aus der die "Bild"-Zeitung vorab zitiert. Der zurückgetretene SPD-Chef Kurt Beck hat sich ausführlich über die näheren Umstände seines Sturzes vor zwei Wochen geäußert und zugleich Kritik an seinem Nachfolger Franz Müntefering geübt.
Über Müntefering schreibt Beck: "Unser Verhältnis ist natürlich nicht unproblematisch. Unser Politikstil, die Art, Machtfragen zu klären, sind schwer vereinbar. In der Zeit, als Franz Müntefering Vizekanzler war und ich die Partei führte, resultierten gewisse Schwierigkeiten daher, dass er sehr darauf bedacht war, sich in der Bandbreite des Koalitionsvertrags zu bewegen. Es war schwierig, mit ihm Perspektiven zu erarbeiten, die darüber hinausreichten."
Und er fügt hinzu: "Als SPD-Vorsitzender bemühte ich mich um ein eigenständigeres Profil der Sozialdemokraten. An diesem Punkt gingen die Meinungen von mir und Franz Müntefering auseinander. Perspektiven, die über die Zeit der großen Koalition hinausreichen, hielt er zum damaligen Zeitpunkt nicht für angemessen. Oder er fand es besser, nicht darüber zu reden. Wo dies geschehen ist, muss man neue Brücken bauen. Genau das gehört zwingend dazu. Und da behaupte ich, dass ich näher an der Realität des Lebens bin, als es manch anderer ist, sodass ich das sehr genau beurteilen kann."
Zur Vorgeschichte seines Rücktritts schreibt Beck: "Im März 2008 ist mir ein schon oft eingestandener Fehler unterlaufen. Nach den Landtagswahlen in Niedersachsen hatte sich herausgestellt, dass die Linke doch in die Landtage wichtiger westdeutscher Flächenländer einziehen konnte." Und er räumt ein, damit die eigene Kanzelerkandidatur verspielt zu haben: "In dieser Krise habe ich durch die Ankündigung einer richtigen Konsequenz zum falschen Zeitpunkt meine bis dahin vorhandene Chance eingebüßt, selbst als Spitzenkandidat der SPD in den Bundestagswahlkampf zu ziehen."
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