| 16.41 Uhr

Nockherberg-Rede
KZ-Vergleich sorgt für Entrüstung

München (RPO). Kabarettist Michael Lerchenberg hat mit seiner Nockherberg-Rede bundesweit für Entrüstung gesorgt. Nachdem zunächst der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer die Rede scharf attackiert hatte, kommt nun auch aus anderen Richtungen vehemente Kritik.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, kritisierte am Donnerstag in München, es sei "eine Grenze überschritten worden". Sie ermahnte den Fastenprediger: "Scherze, die das Leid der Opfer in den Konzentrationslagern verharmlosen oder gar der Lächerlichkeit preisgeben, sind eine Schande."

Auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) sagte: "Es gibt Bereiche, über die kann man keine Scherze machen, das kann nicht gutgehen." Die bayerische FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß bezeichnete Lerchenbergs Vergleich als "menschenverachtend" und mahnte: "Eine sofortige Entschuldigung ist zwingend geboten." Lerchenberg selbst verteidigte jedoch am Donnerstag seinen Auftritt: "Die Themen erfinde ich doch nicht, die liegen auf der Straße. Ich habe mich nur gebückt und sie aufgehoben."

Bei Wasser und Brot in Ostdeutschland

Lerchenberg hatte in der satirischen Rede am Mittwochabend fabuliert, FDP-Chef Guido Westerwelle wolle nun alle "Hartz IV"-Empfänger bei Wasser und Brot in einem Lager in Ostdeutschland sammeln - "drumrum ein Stacheldraht, das haben wir schon mal gehabt". Und über dem Eingang, "bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: Leistung muss sich wieder lohnen". Zuhörer sahen darin eine Anspielung auf den menschenverachtenden Spruch "Arbeit macht frei" am Tor des Konzentrationslagers Auschwitz.

Stamm sieht trotz dieser Äußerungen keinen Anlass, einen Rückzug Lerchenbergs aus der Rolle des Fastenpredigers Bruder Barnabas zu fordern. Er solle aber künftig beachten, "dass es einfach Inhalte gibt, die sich zum Derblecken nicht eignen". Lerchenberg habe in einigen Passagen "bierernst und fast verbissen" agiert. Stamm sagte, sie wünsche sich ein spritzigeres und humorvolleres "Derblecken": "Natürlich darf er uns Politiker auf die Schippe nehmen. Das Thema Landesbank zum Beispiel ist völlig okay."

Fastenpredigt "keine Lachparade"

Lerchenberg verwies darauf, dass eine Fastenpredigt "keine Lachparade" sei. Sie vertrage vielmehr "ein paar ernste Momente". Man müsse in einer solchen Rede "auch mal ein paar Sachen geraderücken dürfen". Westerwelle schüre mit seinen "Hartz IV"-Äußerungen eine "Neiddebatte" und fange an, den 2008 gestorbenen österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider "zu kopieren". Lerchenberg fügte hinzu: "Es gab schon mal Zeiten, da wurden die vermeintlich Arbeitsscheuen weggesperrt. Ich habe in der Fastenpredigt nur ein paar Schritte weitergedacht."

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) mahnte hingegen, man müsse sich "sehr hüten, was solche Anleihen an die Geschichte angeht. Da geht manches sehr schnell daneben." Der Vize-Ministerpräsident rief Lerchenberg dazu auf, zu "überlegen, wo die Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden". Auch Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer hatte beklagt, manche Passagen der Rede seien "schwierig" und "grenzwertig" gewesen.

(DDP/nbe)
 
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