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Immobilien in NRW
Landflucht ruiniert Häuserpreise

Berlin. Der Drang in die Städte und die Alterung vernichten in strukturschwachen Regionen Milliarden-Immobilienwerte - auch in Nordrhein-Westfalen. Immer öfter schlagen Jüngere deshalb ihr Erbe aus. Für den Staat könnte das zum Problem werden. Von Birgit Marschall und Gregor Mayntz

Verlassene Wohnhäuser, verwahrloste Grundstücke und sogar Geisterstädte drohen zunehmend auch in den strukturschwächeren Gebieten Westdeutschlands. Dazu zählen etwa das Ruhrgebiet, Nordhessen, das südliche Niedersachsen, aber auch Teile am Niederrhein und im Bergischen Land. Landflucht und Alterung der Bevölkerung zerstören hierbei Immobilienwerte in Milliardenhöhe.

Nach Angaben des Bundesverbands der Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), Deutschlands größtem Wohnungsverband, stehen im Osten etwa 600 000 oder neun Prozent der Wohnungen leer. In Westdeutschland sind es bisher erst 75 000 oder 2,3 Prozent, wobei sich die Zahlen auf die Mitgliedsunternehmen beziehen. Doch in den ländlichen Regionen seien die Leerstandsquoten auch im Westen deutlich höher. "Während viele Kommunen mit erheblichen Leerständen zu kämpfen haben, werden in Boom-Regionen händeringend neue Wohnungen gebraucht", sagt Verbandspräsident Axel Gedaschko. Nach dem Saarland habe Nordrhein-Westfalen mit drei Prozent bereits die zweithöchste Leerstandsquote im Westen.

Die Immobilienbesitzer in NRW stehen vor allem in wirtschaftlich schwächeren Gebieten wie etwa dem Sauerland, aber auch im bergischen Land zunehmend vor Problemen. "Wir haben jetzt schon viele unverkäufliche Objekte. Der Wertverfall läuft und kann im Einzelfall auch zum Totalverlust führen", sagt der Essener Immobilienexperte Tobias Just. "Das werden die Besitzer so lange wie möglich durch Selbst-Abwohnen aufhalten wollen, aber die Erbengeneration erhält dann Steine, und keine Werte."

Jüngere würden immer häufiger ein Immobilienerbe ausschlagen, wenn absehbar sei, dass ein zu erbendes Haus schwer verkäuflich ist. "Das kann auch für den Staat zu einem wachsenden Problem werden, da sich die Fälle häufen, dass Erben in Schrumpfungsgebieten ihre Immobilien-Erbschaften ausschlagen", sagt Gedaschko. "Die Gebäude fallen dann an den Staat, der die Kosten dafür tragen muss, die Gebäude aber nicht vermietet bekommt."

In der Rheinschiene müsse man sich rund um Bonn, Köln und Düsseldorf wenig Sorgen machen, erläutert Immobilien-Fachmann Just. Aber sobald es aus dem engeren Verflechtungsraum hinausgehe, wüchsen die Probleme. "Das betrifft auch den Niederrhein, aber sehr unterschiedlich", ergänzt der Essener Experte. So habe der Raum Mönchengladbach, der lange unter Anpassungsdruck gelitten habe, nun den Turnaround geschafft.

Bund, Länder und Kommunen versuchen, der Entvölkerung der ländlichen Räume durch Förderprogramme entgegen zu wirken, allerdings sind diese oft nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. In Ostdeutschland werden Immobilienverbände bereits seit Jahren gefördert, damit sie den Abriss leerer Wohnsilos selbst übernehmen und nicht dem Staat überlassen. Bauministerin Barbara Hendricks (SPD) und die Immobilienwirtschaft wollen deshalb das Stadtumbau-Programm-Ost mit dem bislang kleineren Programm-West zusammenführen. Wohnungsunternehmen sollen künftig nicht nur verlassene Häuser abreißen, sondern gleichzeitig mehr in neue Wohnungen in Ballungsgebieten und mittelgroßen Kommunen investieren.

Quelle: RP
 
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