Das Erbe des Vorgängers wiegt schwer: 14 Jahre lang lenkte Erwin Teufel die Geschicke des Landes Baden-Württemberg. Seinen Abschied im vergangenen Jahr nahm er dann auch nicht ganz freiwillig. Jetzt sitzt Günther Oettinger auf dem Stuhl des Ministerpräsidenten und muss sich zum ersten Mal als Spitzenkandidat einer Wahl stellen. Gegen wen er antritt, lesen Sie hier.
44,8 Prozent der Wählerstimmen im Jahr 2001 für Erwin Teufel sind der Richtwert, an dem Günther Oettinger sich orientieren wird. 40 plus x lautet sein Ziel. Dagegen zeigte sich Altministerpräsident Teufel zu seinem Abschied offensiver: Er glaubt, dass er 2006 die absolute Mehrheit auf sich hätte vereinigen können. Umfragen sehen die CDU in Baden-Württemberg heute im "Angie-Hoch" bei 46 Prozent.
Auch wenn die beiden sich nicht wirklich grün sind, ist Teufel für seinen Nachfolger im Wahlkampf unterwegs. Der Landesverband der CDU ist vom Erfolg der vergangenen Regierungsjahre überzeugt und stellt Baden-Württemberg als Wachstums-, Entdecker-, Kinder-, Wohlfühl-, Mitmach- und Erfolgsland dar. Oettinger will an der Koalition mit FDP/DVP festhalten.
Die Koalition mit der FDP/DVP um den Spitzenkandidaten Ulrich Goll gilt im Grunde als intakt. Dennoch fühlt sich der kleine Partner nicht vollends akzeptiert. Goll wirft Oettinger einen "Flirt mit den Grünen" vor, da dieser zwar die FDP favorisiere, aber ein Bündnis mit den Grünen nicht ausschließe.
Soll das bürgerlich-liberale Bündnis fortgesetzt werden, rechnet der amtierende Justizminister Goll mit "nicht einfachen" Koalitionsverhandlungen. Die Liberalen wollen einen Rückbau von Staat und Verwaltung durchsetzen und in diesem Zug auch ein Ministerium streichen. Auch ein Ziel ist es, in einem bestimmten Umfang Volksentscheide auf Landesebene zu ermöglichen.
Neuer Ministerpräsident, gleiche Herausforderin: Gegen Erwin Teufel erzielte Ute Vogt 2001 einen Achtungserfolg, als sie das Ergebnis der SPD um mehr als acht Prozentpunkte auf 33,3 Prozent der Stimmen verbesserte. Jetzt will sie wieder angreifen.
Kritik übt Vogt vor allem an der schwarz-gelben Energiepolitik der Landesregierung, die eine Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke in Philippsburg und Neckarwestheim anstrebt. Dadurch würden Arbeitsplätze bei den erneuerbaren Energie zerstört, so Vogt.
Hier gibt es Schnittpunkte mit den Grünen, denn auch sie positionieren sich gegen die Atomkraft. Da die SPD mit einer Unterschriftenaktion gegen die Laufzeitverlängerung allerdings grüne Wähler abfängt, richten sich die Anstrengungen der Grünen auf das liberale Bürgertum. Sie wollen der FDP die Regierungsbeteiligung streitig machen.
Grünen-Spitzenkandidat Winfried Kretschmann (rechts) will mit seiner Partei drittstärkste Kraft in Baden-Württemberg werden. Gerade in Groß- und Universitätsstädten wie Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart gilt sie als stark.