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Interview mit Barbara Sommer: "Lehrer müssen flexibler werden"

zuletzt aktualisiert: 04.01.2010 - 07:43

(RP). Im Interview mit unserer Redaktion sprach die NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) über das Zentralabitur, die Verbundschulen und die Belastung der Lehrer.

Nach den Sommerferien 2010 treffen in vielen Oberstufen die "normalen Jahrgänge" mit den "Turbo-Abitur-Schülern" zusammen. Droht den Gymnasiasten ein Chaos?

Sommer Nein. Unsere Schulen sind darauf gut eingestellt. Und wir schaffen im Jahr 2010 noch einmal mehr als 1000 zusätzliche Lehrerstellen. Zum Glück haben wir zu Beginn der Legislaturperiode entschieden, dass wir im Doppeljahrgang an einer einheitlichen Oberstufe für beide Jahrgänge festhalten. So können die Schulen Lerngruppen effizienter bündeln. Dadurch wird das Unterrichtsangebot eher attraktiver.

Wie soll das gehen?

Sommer Gerade in der Oberstufe haben die Schulen eine gute Tradition der fachlichen Kooperation. Bei fachlichen Engpässen, aber auch um ein breiteres Angebot für ihre Schüler zu machen, werden häufig schulübergreifende "Kooperationskurse" in benachbarten Schulen gebildet. Das leisten die Schulen völlig selbstständig.

Ist es gerecht, dass ein Sportlehrer genauso viel verdient wie ein Englisch-Lehrer, der sich ständig mit Korrekturen abplagen muss?

Sommer Ich kann nur davor warnen, die Belastungen der Sportlehrer zu unterschätzen. Wenn ich vier Stunden in einer Schwimmhalle unterrichten müsste, wäre ich k.o. Gleichwohl sollten die Kollegien in den Schulen gemeinsam überlegen, ob die Belastungen gerecht verteilt sind. Wer viel korrigieren muss, kann ja vielleicht etwas weniger Unterricht geben. Vielleicht verständigt man sich auch darauf, dass jüngere Lehrer die älteren Kollegen entlasten. Solche Regelungen gibt es bereits an zahlreichen Schulen. Ich wünsche mir, dass viele diesem Beispiel folgen. Aber man kann das nicht von oben verordnen.

Warum wehren Sie sich gegen die Forderungen der Opposition, die Kinder in NRW länger gemeinsam lernen zu lassen?

Sommer Erstens würde eine solche Verlängerung viel Geld kosten, das dann für wichtige Aufgaben wie Ganztag oder Verkleinerung der Klassen fehlt. Und zweitens gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Schüler besser gefördert werden, wenn sie bis zur sechsten Klasse zusammenbleiben.

In NRW gibt es mittlerweile 18 Verbundschulen. Ist das der Anfang vom Ende der Hauptschulen?

Sommer Nein. Das Besondere an Verbundschulen ist ja, dass die Identität der jeweiligen Schulform erhalten bleibt. Außerdem gibt es sie nur in ländlichen Räumen, um dort den demografischen Wandel abfedern zu können. Wir bleiben beim gegliederten Schulsystem, denn dort kann jedes Kind entsprechend seinen Begabungen gefördert werden. Und auch die Eltern wollen die von der Opposition geforderte Gemeinschaftsschule nicht.

In einer Förderschule in NRW wurden die Kinder darin unterwiesen, wie man Hartz IV beantragen kann. Der richtige Weg, um Kinder fit für die Zukunft zu machen?

Sommer Keineswegs. Das ist ein völlig falsches Signal. Ich bin dafür, den Schülern lebenspraktische Dinge wie zum Beispiel die Einrichtung eines Kontos oder den Umgang mit Handygebühren beizubringen. Außerdem steht an vielen Schulen das Thema Berufsorientierung ganz weit oben.

Entscheidet die Schulpolitik die Landtagswahl?

Sommer Schulpolitik ist immer wichtig. Unsere Bilanz kann sich sehen lassen. Deswegen habe ich keine Angst vor einer Debatte.

Können Sie sich vorstellen, Schulministerin einer Jamaika-Koalition aus FDP, Grünen und CDU oder in einer großen Koalition zu sein?

Sommer Nein. Dafür sind meine Grundauffassungen und die von Grünen und SPD zu unterschiedlich.

Wenn es für CDU und FDP reicht – würden Sie dann weitermachen?

Sommer Ja, ich habe noch viele Pläne im Kopf, um unsere Schulen zu verbessern. Aber erst mal müssen die Wahlen gewonnen werden. Und dann entscheidet Jürgen Rüttgers, wen er als Chef des Schulministeriums haben möchte.

Frank Vollmer und Gerhard Voogt führten das Gespräch.

Quelle: RP

 
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