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Wahrscheinlich gab es Hintermänner: Libanesischer Geheimdienst lieferte die Spur zum mutmaßlichen Bahn-Bombenleger

zuletzt aktualisiert: 21.08.2006 - 20:44

Frankfurt/Main (rpo). Der entscheidende Hinweis, der zur Festnahme des ersten mutmaßlichen Bombenlegers von Dortmund und Koblenz geführt hatte, kam offenbar vom libanesischen Geheimdienst. Der zweite Verdächtige könnte sich inzwischen nach Frankreich oder in die Niederlande geflüchtet haben - mit Hilfe organisierter Kreise.

Der entscheidende Hinweis zur Festnahme des mutmaßlichen Bahn-Bombenlegers kam einem Bericht zufolge vom libanesischen Geheimdienst. Nach Informationen des Berliner ARD-Hauptstadtstudios vom Montag hörte der Militärgeheimdienst DRAL ein Telefonat des 21-Jährigen mit seiner Familie im Libanon ab, nachdem der Student sein Bild im Fernsehen gesehen hatte. Der Dienst habe daraufhin die deutschen Sicherheitsbehörden unterrichtet. Auf Grund dieser Information habe das Bundeskriminalamt den Studenten am Samstag in Kiel festgenommen, berichtete die ARD.

Nach ersten Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden steht offenbar fest: Die beiden mutmaßlichen Bombenleger hatten wahrscheinlich Hintermänner. Bei der Vorbereitung der misslungenen Anschläge mit den Kofferbomben auf die beiden Regionalzüge waren mehrere Täter beteiligt. Die Sicherheitsleute sprechen in diesem Zusammenhang von einem "logistischen Hintergrund".

Diese Vermutung äußerte auch Staatssekretär August Hanning aus dem Innenministerium. Er sprach von "Unterstützern". Sein Eindruck sei, "dass da schon mehrere im Hintergrund mitgewirkt haben", sagte Hanning. Die beiden mutmaßlichen Bombenleger "haben bestimmt das Ganze nicht im stillen Kämmerlein allein zusammengebastelt", befand auch ein Polizeiexperte.

Die Untersuchungsbeamten sind davon überzeugt, dass die beiden Libanesen "ein Zeichen gegen die Angriffe der Israelis auf ihre Heimat setzen wollten". Hanning meinte, es bestehe die Sorge, dass es einen "libanesischen Hintergrund gibt". Einen Zusammenhang mit dem Engagement der Bundeswehr bei der geplanten UN-Friedenstruppe im Libanon sieht die Bundesregierung dagegen nicht, wie ein Sprecher am Montag in Berlin betonte.

Verbindung zur "islamistischen Szene"

Inwieweit Youssef Mohamad E.H. und sein Komplize schon in die "gefährliche islamistische Szene" in der Bundesrepublik integriert waren oder ob sie nur lose Verbindungen zu dieser Szene hatten, ist noch unklar. In Sicherheitskreisen wird geschätzt, dass zwischen 100 und 300 Islamisten gut getarnt in Deutschland leben und "so gut vernetzt sind, dass sie aus dem Stand Anschläge verüben können".

Aus dem Kreis der 500.000 bis 600.000 islamistischen Fundamentalisten in Deutschland würden "sich bei Anschlägen bestimmt einige hundert als Unterstützer der Hardliner dazu gesellen", wurde von Experten geschildert. "Was sich in den 2 000 Moscheengemeinden und etwa 3000 muslimischen Vereinigungen in der Bundesrepublik tut, ist uns letztlich weitgehend unbekannt", war aus dem Verfassungsschutz zu erfahren.

Sollte es den Israelis im Nahost-Konflikt gelingen, den Führer der Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, gefangen zu nehmen oder zu töten, müsste mit schweren Anschlägen seiner Gefolgsleute auch in Deutschland gerechnet werden, warnen Geheimdienstexperten.

Fahndung nach dem zweiten Täter

Nach der Festnahme des ersten mutmaßlichen Täters Youssef Mohamad E.H. sucht die Polizei nun nach dem Mann, der am 31. Juli am Kölner Hauptbahnhof den zweiten Koffer mit Sprengsatz in einem Regionalzug dach Dortmund deponierte. Aus Sicherheitskreisen war zu erfahren, "dass dem zweiten Bombenleger die Flucht ins Ausland gelungen sein dürfte". Als mögliche Fluchtländer wurden Frankreich oder die Niederlande genannt.

Gleichzeitig wurde auch die Vermutung geäußert, der Komplize Youssefs könnte in islamistischen Kreisen in Deutschland untergetaucht sein. Diese Version wird aber in Frage gestellt, weil die Islamisten jetzt die intensive Fahndung nach dem zweiten Terrorverdächtigen fürchten müssten und kein Risiko eingehen wollten, selbst entdeckt zu werden. "Sie haben ihm offensichtlich lieber bei der Flucht ins Ausland geholfen", zitiert die Nachrichtenagentur ddp einen Fahnder.

Details über verhafteten Täter

Unterdessen wurden neue Details über den am Samstag festgenommenen Libanesen Youssef Mohamad E. H. bekannt. Der 21-Jährige hatte sein Studium der Mechatronik an der Fachhochschule Kiel offenbar noch nicht aufgenommen. Wie ein Hochschulsprecher mitteilte, ist kein Student mit diesem oder einem ähnlichen Namen aus dem Libanon oder einem anderen Land an der FH Kiel eingeschrieben.

Der 21-Jährige besuchte nach Auskunft des Kultusministeriums ein Studienkolleg, wo er am 7. Juli eine Sprachprüfung bestand, die zum Studium an der Fachhochschule berechtigt. Im vergangenen Jahr hatte er demnach so schlechte Noten, dass er das erste Semester an dem Kolleg wiederholen musste. Die Bundesanwaltschaft hatte zuvor berichtet, er sei seit Februar 2005 in Kiel gemeldet, wo er Mechatronik studiert habe.

Der Student stieg nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft in Köln mit einem Bombenkoffer in den Regionalexpress nach Koblenz und verließ an einem Halt kurz darauf den Zug wieder. In einem Waggon ließ er demnach den Sprengsatz stehen. Am Sonntag wurde Haftbefehl erlassen.

Quelle: ap

 
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