Holpriger Start in Thüringen: Lieberknecht im dritten Wahlgang gewählt
zuletzt aktualisiert: 30.10.2009 - 10:46Erfurt (RPO). Denkbar schlechter Start für die schwarz-rote Koalition in Thüringen: Christine Lieberknecht wurde erst im dritten Anlauf mit der einfachen Mehrheit zur ersten CDU-Ministerpräsidentin in der Geschichte der Bundesrepublik gewählt. Zuvor war die bisherige Sozialministerin in zwei Wahlgängen gescheitert.
Die 51-Jährige erhielt im Erfurter Landtag in den ersten beiden Wahlgängen 44 von 86 gültigen Stimmen. Im dritten und entscheidenden Wahlgang war auch Bodo Ramelow von der Linkspartei angetreten. Lieberknecht erreichte schließlich 55 Stimmen, Linken-Spitzekandidat Bodo Ramelow erhielt 27 Stimmen. Mit verhaltener Freude nahm die 51-Jährige die Wahl zur Ministerpräsidentin an.
In den ersten beiden Wahlgängen, bei denen sie die absolute Mehrheit hätte erreichen müssen, fehlten ihr vier Stimmen aus den Reihen von CDU und SPD, die in Thüringen eine Koalitionsregierung bilden wollen. Im Parlament hat die CDU als stärkste Fraktion 30 Sitze, die SPD 18, während Linke, FDP und Grüne zusammen auf 40 Sitze kommen.
Lieberknecht ist die erste CDU-Ministerpräsidentin der Bundesrepublik und nach der früheren schleswig-holsteinischen Regierungschefin Heide Simonis (SPD) erst die zweite Frau an der Spitze eines Bundeslandes.
Nachfolgerin von Althaus
Die 51-jährige einstige Pastorin übernimmt das Spitzenamt von dem CDU-Politiker Dieter Althaus, der von seinen Ämtern zurückgetreten war, sein Mandat als Landtagsabgeordneter aber behält.
Am Sonntagabend hatten die Delegierten der künftigen Regierungsparteien auf getrennten Parteitagen dem schwarz-roten Koalitionsvertrag zugestimmt. Das Votum der CDU erfolgte einstimmig. Bei den Sozialdemokraten stimmten 148 der Delegierten für den Koalitionsvertrag und 44 dagegen, sieben enthielten sich.
Lieberknecht wurde zudem mit 83,3 Prozent zur neuen Thüringer CDU-Landeschefin gewählt. Sie tritt die Nachfolge von Dieter Althaus an, der nach der schweren Wahlniederlage der CDU Anfang September von seinen Ämtern zurückgetreten war. Althaus hatte auf dem CDU-Parteitag um "Verzeihung" für die Art und Weise seines überstürzten Rücktritts gebeten und die Parteifreunde aufgefordert, seiner Nachfolgerin den Rücken zu stärken.
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