Streit um Mitgliederentscheid: Lindner tritt als FDP-Generalsekretär zurück
zuletzt aktualisiert: 14.12.2011 - 11:06Berlin (RPO). FDP-Generalsekretär Christian Lindner tritt zurück. Dies wurde am Mittwoch in Parteikreisen bestätigt. Lindner war in der eigenen Partei die Verantwortung für Pannen bei der Organisation des umstrittenen Mitgliederentscheids über den geplanten neuen Euro-Rettungsschirm gegeben worden.
Nach Medienberichten erfolgte der Rücktritt nach einem Gespräch mit FDP-Parteichef Philipp Rösler. Lindner hatte ebenso wie Rösler bereits vor dem Ende des Mitgliederentscheides die Initiative der Euro-Skeptiker für gescheitert erklärt. Lindner hat sich um 11 Uhr vor der Presse geäußert.
In der FDP hatte sich in den vergangenen Tagen die Kritik an Parteichef Philipp Rösler verschärft, der den Euro-Mitgliederentscheid schon am Wochenende für gescheitert erklärt hatte. Bis Mitternacht hatten FDP-Mitglieder darüber abstimmen können, ob ihre Partei den Rettungsmechanismus ESM ablehnen soll.
Aber auch Lindner stand massiv in der Kritik. In Bayern wurde dessen Rücktritt gefordert. "Christian Lindner ist dafür verantwortlich, dass der Mitgliederentscheid zur Euro-Rettung am Quorum zu scheitern droht", sagte kürzlich der stellvertretende Vorsitzende der niederbayerischen Liberalen, Christoph Zeitler, in Landshut.
Lindner hatte zudem dem Euro-Skeptiker Frank Schäffler im "Hamburger Abendblatt" vorgeworfen, die Partei europapolitisch isolieren zu wollen und ihn in Anspielung auf den umstrittenen britischen Premier als "David Cameron der FDP" bezeichnet. Der Politiker versuchte daraufhin, die Wogen zu glätten. Die Abstimmung sei streng nach der Verfahrensordnung gelaufen, sagte er in Berlin. In der Sitzung des Parteivorstands habe niemand daran gezweifelt, dass das Verfahren ordnungsgemäß verlaufen sei. "Auch Frank Schäffler übrigens selber nicht", fügte Lindner hinzu und stellte fest: "Damit legen wir diese Vorwürfe zu den Akten."
Seit April 2010 im Amt
Der 32-jährige Lindner wurde im April 2010 zum Generalsekretär der Liberalen gewählt, ab Dezember 2009 führte er dieses Amt kommissarisch aus. Er galt als einer der jungen Garde in der Partei und stand mit für einen Generationswechsel in der FDP.
Die Opposition in Berlin reagierte umgehend auf die Nachricht. Lindner sei ein "Bauernopfer" für FDP-Chef Philipp Rösler, sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann vor Journalisten in Berlin. Der FDP-Generalsekretär ziehe mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus dem "Desaster des Mitgliederentscheids" um den Euro-Rettungsschirm ESM. Mit seinem Schritt versuche Lindner, Parteichef Rösler "noch ein paar Tage im Amt zu halten".
Der gebürtige Wuppertaler war im Jahr 2000 in den Düsseldorfer Landtag eingezogen. Als Jungspund der Liberalen in Nordrhein-Westfalen wurde Lindner vom damaligen FDP-Landeschef Jürgen Möllemann scherzhaft "Bambi" getauft. 2004 wurde er Generalsekretär der nordrhein-westfälischen FDP, seit 2009 gehört er dem Bundestag an. Sein Spitzname blieb.
Linder ist Hauptmann der Reserve. Neben seinen Reservisten-Einsätzen fährt der 31-Jährige in seiner Freizeit gern schnelle Sportwagen oder schaut alte Filme mit dem Schauspieler Steve McQueen. Mit Niederlagen musste er schon lernen umzugehen.
Als ganz junger Mann war er mit einer Startup-Firma gescheitert.
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