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Debatte um traditionelles Fest
Linkspartei fordert Aus für Sankt Martin

Düsseldorf. In den Kindertagesstätten von NRW sollen muslimischen Kindern nicht länger christliche Traditionen aufgedrängt werden. Das fordert die Linkspartei – und löst damit eine heftige Kontroverse aus. Von Gerhard Voogt

In dieser Woche ziehen in fast allen Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen die Sankt-Martins-Züge durch die Straßen. Die Linkspartei will die Tradition jetzt abwandeln. Die Kindergärten und Kindertagesstätten sollen darauf verzichten, die Figur des heiligen Martin in den Mittelpunkt zu stellen. "In vielen NRW-Kitas gibt es einen hohen Anteil von muslimischen Kindern", erklärte Rüdiger Sagel, Vorsitzender der Linken in NRW. "Ihnen sollte man die christliche Tradition nicht aufdrängen", forderte der Politiker.

Die Einsicht, dass es richtig sei, "den Mantel zu teilen und den Armen zu helfen, ist eine überkonfessionelle Botschaft", betonte Sagel. "Ich finde es gut, wenn sich alle Kinder angesprochen fühlen und kein Kulturkreis diskriminiert wird", ergänzte der Parteivorsitzende. Wenn man statt Sankt Martin ein "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" feiern würde, fühlten sich mehr Kinder angesprochen und mitgenommen. "Dazu braucht man keinen Sankt Martin, der dem Lichterzug auf dem Pferd voranreitet", sagte der Chef der Linkspartei.

Die Umbenennung des Sankt-Martins-Zugs hat auch in Bad Homburg in Hessen zu einer kontroversen Diskussion geführt. Dort soll den Eltern von einer städtischen Kita mitgeteilt worden sein, der Begriff "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" sei politisch korrekter, weil andere Religionsgemeinschaften nicht ausgeschlossen würden. Mit dieser Begründung hatte auch eine städtische Kita in Bochum den Sankt Martin als Begleiter des Laternenumzugs abgeschafft. Vor allem in den Großstädten von NRW fordern immer mehr Eltern eine Säkularisierung der Kita-Erziehung.

"Muslimische Feste stärker integrieren"

Michele Marsching, religionspolitischer Sprecher der Piratenpartei im Düsseldorfer Landtag, hält die Verbannung des Heiligen und die Umbenennung der Umzüge für übertrieben. Kitas und Kindergärten sollten aber darauf achten, dass auch "muslimische Feste stärker in die Betreuung integriert werden", sagte Marsching.

Auch Thomas Sternberg, kulturpolitischer Sprecher der CDU im Landtag, lehnte den Vorstoß der Linkspartei als "Schnapsidee" ab. "Das hat nichts mit politischer Korrektheit, sondern schlichtweg mit Kultur- und Geschichtsvergessenheit zu tun", erklärte der Unionspolitiker. Sankt Martin sei eine große historische Gestalt mit sehr wichtigen Impulsen für die Sozialgeschichte Europas. Seiner zu gedenken, habe nichts mit der Diskriminierung oder Ausgrenzung anderer Religionen und Kulturkreise zu tun. "Ganz im Gegenteil: Der Grundgedanke, mit den Armen dieser Welt zu teilen, ist etwas, das alle Menschen und Religionen einen sollte", betonte Sternberg.

Eine Sprecherin des Erzbistums Köln, das in NRW rund 37 400 Kinder in 582 Kindergärten betreut, erklärte, der Name "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" sei "nur vermeintlich verbindend und komplett inhaltsleer". Zwar sei der interreligiöse Dialog für die katholische Kirche ein wichtiges Ziel, doch es helfe nicht, den eigenen Glauben zu verleugnen. Die Figur des heiligen Martin könne auch muslimischen Kindern den Gedanken des Teilens näherbringen.

 

 

 

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Quelle: RP
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