Frau des Altkanzlers: Loki Schmidt ist tot
zuletzt aktualisiert: 21.10.2010 - 14:48Berlin (RPO). Sie war die große Dame der Bonner Republik. In der vergangenen Nacht ist Loki Schmidt gestorben. Die Ehefrau von Altkanzler Helmut Schmidt starb nach Angaben einer Sprecherin des Hamburger Büros im Alter von 91 Jahren. Ende September war Loki Schmidt am Fuß operiert worden. Anschließend soll es ihr Medienberichten zufolge immer schlechter gegangen sein.
Vor zwei Wochen war Loki Schmidt aus der Hamburger Asklepios-Klinik Nord nach Hause verlegt worden. Wie das "Hamburger Abendblatt" unter Berufung auf Ärzte berichtete, ging es ihr bereits damals nicht gut. Sie habe bereits damals nicht mehr auf Ansprache reagiert. Daraufhin habe ihr Mann Helmut seine China-Reise abgesagt und auch seine Tochter sei aus London angereist.
Seit 1942 war sie mit Helmut Schmidt verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hatte. Sohn Helmut Walter verstarb noch vor seinem ersten Geburtstag, Tochter Susanne arbeitet als Journalistin in London. Der weitere Kinderwunsch blieb unerfüllt: Loki Schmitt erlitt wegen der damals noch unbekannten Infektionskrankheit Toxoplasmose fünf Fehlgeburten.
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Acht Jahre lang, von 1974 bis 1982, war die Hanseatin, die eigentlich Hannelore heißt, an der Seite von Helmut Schmidt Hausherrin im Bonner Kanzleramt. Zu den schwärzesten Tagen an der Seite des Bundeskanzlers zählte sie rückblickend jene im Jahr 1977 während der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion (RAF). "Helmut und ich haben damals ausgemacht, wenn einer von uns beiden gekidnappt wird, darf der andere keine Forderungen der Kidnapper erfüllen", erinnerte sie sich. Vom Sturz des Bundeskanzlers Helmut Schmidt 1982 erfuhr sie während eines Aufenthalts in Brasilien.
Seit 1976 machte sich Loki Schmidt den Namen ihres Mannes zunutze, um für den Naturschutz "hausieren zu gehen". Sie mochte sich nicht mehr nur auf Schirmherrschaften als Kanzlergattin zurückziehen und rief die "Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen" ins Leben. Die Ex-Kanzlergattin intensivierte ihre Arbeit im Dienst gefährdeter Pflanzen und begleitete jedes Jahr junge Wissenschaftler auf Forschungsreisen um die Welt. "Ich bin penetrant neugierig geblieben", bekannte die auch im hohen Alter noch äußerst populäre Loki.
Seit 1980 benannte sie im Namen der Stiftung die "Blume des Jahres". Viele Buchveröffentlichungen über botanische Themen folgten, so auch 1997 das erfolgreiche Grundlagenwerk "Die Botanischen Gärten in Deutschland". Für ihre öffentlichkeitswirksamen Verdienste um die Botanik wurde sie vielfach ausgezeichnet, etwa mit einem Ehrensenatorinnen-Titel der Hamburger Universität. 2005 äußerte sie sich in "Mein Leben für die Schule" zur Bildungspolitik. Drei Jahre später erschien das Buch "Erzähl doch mal von früher".
In einem Interview hatte Loki Schmidt kürzlich gesagt, dass sie und ihr 91 Jahre alter Mann davon träumen, im Juni 2012 den 70. Hochzeitstag feiern zu können. Dieser Traum muss nun für immer unerfüllt bleiben.


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