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Manuela Schwesig
Nach Mutterschutz wieder Ministerin

Fotos: Manuela Schwesig – SPD-Frau und Familienministerin
Fotos: Manuela Schwesig – SPD-Frau und Familienministerin FOTO: dpa, fga kde
Berlin. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ist schwanger mit dem zweiten Kind. Sie findet, es gehört in einer "modernen Familie" dazu, dass der Vater die Elternzeit nimmt, nachdem sie dies beim ersten Kind getan hat. Von Eva Quadbeck

Sie ist nicht die erste Ministerin, die während ihrer Amtszeit ein Baby bekommt. Etwas Besonderes ist es dennoch: Familienministerin Manuela Schwesig ist schwanger. Für die 41 Jahre alte SPD-Vize-Chefin ist es das zweite Kind. Sie und ihr Mann Stefan haben bereits den achtjährigen Julian.

Auch Schwesigs Vorgängerin, die CDU-Politikerin Kristina Schröder, bekam während ihrer Amtszeit ein Baby. Mitten in der Wahlperiode, im Juni 2011, kam Tochter Lotte zur Welt. Während Schröder stets Wert darauf legte, kein Rollenmodell vorgeben zu wollen und am Ende auch mit der Vereinbarkeit von Ministeramt und Mutterschaft haderte, ist Schwesig in diesen Fragen sehr klar.

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Politisch wie privat setzt sie auf die partnerschaftliche Teilung von Erziehungsarbeit und Beruf. Sie kündigte bereits an, nach der Phase des Mutterschutzes, die sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt beträgt, an den Kabinettstisch zurückzukehren. "Ich habe die Elternzeit bei Julian genommen. Mein Mann nimmt die Elternzeit jetzt. Das gehört in einer modernen Familie doch dazu", sagte Schwesig der "Schweriner Volkszeitung". Ihr Sohn besucht eine Ganztagsschule. Der Vater hat seine Berufstätigkeit auf sieben Stunden am Tag reduziert. "Es ist für uns beide selbstverständlich, dass wir berufstätig sind und beide im Beruf bleiben", ergänzte die Ministerin gestern.

Die einstige Finanzbeamtin Schwesig pendelt zwischen Berlin und Schwerin. Immer wieder funktioniert sie ihre Dienstlimousine zum mobilen Büro um, damit sie abends bei ihrem Jungen sein kann. Einen Tag im Monat macht sie Homeoffice. Der Typ Mutter mit schlechtem Gewissen ist sie aber nicht. Man trifft sie in Berlin auch auf Festen und Empfängen, auch noch am späten Abend.

Politikerinnen können kaum Elternzeit nehmen. Für Bundestagsabgeordnete ist dies gar nicht vorgesehen. Als gewählte Vertreterinnen des Volkes steht ihnen keine Elternzeit zu. Nun ist Schwesig keine Abgeordnete, sondern Ministerin ohne Mandat. Aber auch in ihrer Position kann man keine Elternzeitanträge für den Arbeitgeber ausfüllen.

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Es gibt im Bundestag mittlerweile eine überfraktionelle Initiative von 50 weiblichen Abgeordneten, die einen Anspruch auf Elternzeit für die Parlamentarier durchsetzen wollen. Auch die frühere Familienministerin Schröder ist dabei, die 2014 ihr zweites Kind bekam.

Die Berliner Politik an herausgehobener Position ist ein Knochenjob. Ohne erhebliche Unterstützung vom Partner ist die Vereinbarkeit von kleinen Kindern und politischem Spitzenamt nicht möglich. Auch bei Arbeitsministerin Andrea Nahles, die in ihrer Zeit als SPD-Generalsekretärin ihre Tochter Ella zur Welt brachte, organisiert vor allem der Ehemann den Alltag mit dem Töchterlein zu Hause in der Eifel.

Für die Familienministerin ist die partnerschaftliche Aufteilung von beruflichen und familiären Verpflichtungen nicht nur privat eine Selbstverständlichkeit, sondern auch als Politikerin eine Mission. Im vergangenen Jahr sorgte sie für mächtig Ärger mit dem Koalitionspartner, als sie einen öffentlichen Vorstoß für die 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich für junge Eltern unternahm. Ihr schwebt vor, dass Vater und Mutter in der so genannten Rushhour des Lebens gleich viel im Job arbeiten und gleich viel Zeit mit Kindern und Haushalt verbringen können.

Den Vorschlag hatte sie schon in die Koalitionsverhandlungen eingebracht, war damit aber gescheitert. Umso größer war die Verärgerung in der Union, als sie ihn - nur wenige Wochen im Amt - einfach mal über die Medien platzierte. Wenn sie wegen eines solchen Vorgehens als "rote von der Leyen" bezeichnet wird, dann grinst Schwesig nur. Mit dem Image kann sie leben. Manche Ähnlichkeit zu der früheren CDU-Familienministerin und heutigen Verteidigungsministerin findet sich durchaus bei der Sozialdemokratin. Auch sie ist telegen, ehrgeizig und hartnäckig bis zur Sturheit, wenn sie von etwas politisch überzeugt ist. Beide verstehen sich trotz mancher politischer Differenz persönlich gut mit Finanzminister Wolfgang Schäuble. Schwesig war von ihrer Partei darauf angesetzt, der CDU das Thema Familie in der öffentlichen Wahrnehmung wieder abzujagen. Das scheint ihr zu glücken.

Quelle: RP
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