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Wirbel um Privatschule
Schwesig verteidigt Schulwahl für ihren Sohn

Manuela Schwesig verteidigt Schulwahl für ihren Sohn
Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, muss sich für die Wahl einer Privatschule für ihren Sohn rechtfertigen. FOTO: dpa, sts
Schwerin. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat die Wahl einer Privatschule für ihren Sohn verteidigt. Für die Entscheidung hagelte es Kritik. Der Regierungschefin wurde ein "fatales Signal" in der Bildungspolitik vorgeworfen.

Die Entscheidung für eine Privatschule sei keineswegs Ausdruck mangelnden Vertrauens in das staatliche Schulsystem, sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch. Ihr Sohn sei in den ersten vier Jahren in Schwerin auf eine staatliche Schule gegangen. "Und wir waren sehr zufrieden", betonte sie. Das Bildungssystem des Landes bestehe aus öffentlichen Schulen und Schulen freier Träger, die vom Land auch finanziell gefördert würden. "Beide Schularten bieten für die Schülerinnen und Schüler in unserem Land guten Unterricht", sagte die SPD-Politikerin.

Nach Ansicht der Links-Opposition im Landtag offenbart der Schritt die Mängel und Lücken im staatlichen Schulsystem. Über Jahre hinweg seien öffentliche Schulen in Mecklenburg-Vorpommern kaputt gespart und Schulleitungen ans Gängelband gelegt worden. Wenn Schwesig nun ihr Kind auf eine Privatschule schicke, drücke dies auch mangelndes Vertrauen in das von ihr als Regierungschefin maßgeblich verantwortete staatliche System aus, sagte Linksfraktionschefin Simone Oldenburg.

Häufige Schulwechsel entfallen  

In Mecklenburg-Vorpommern schließt sich an die vierjährige Grundschule eine zweijährige Orientierungsstufe an einer weiterführenden Schule an. Danach entscheidet sich an den staatlichen Schulen der weitere Schulweg. Wegen der damit verbundenen häufigen Schulwechsel, die an privaten Einrichtungen entfallen, steht das System in der Kritik. In Mecklenburg-Vorpommern besuchen rund elf Prozent der Kinder eine Schule in freier Trägerschaft.

Kritisch äußerten sich auch die Erziehungsgewerkschaft GEW und der Deutsche Lehrerverband. Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sprach von einem "fatalen Zeichen". "Die Regierungschefin hat in die öffentlichen Schulen Mecklenburg-Vorpommerns offenbar wenig Vertrauen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch), räumte aber ein, dass auch für Schwesig gelte, im Privatleben frei entscheiden zu können.

Die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner sagte: "Die Schulwahl für sein Kind steht jedem frei. Doch in ihrem Amt muss Frau Schwesig klar sein, dass eine solche Entscheidung auch eine Signalwirkung hat, für Eltern und für Lehrer." Lindner beklagte zudem eine unzureichende Raum- und Personalausstattung an öffentlichen Schulen. Konzeptionelle Arbeit wie an Privatschulen sei somit kaum möglich, die Vorgaben der Inklusion könnten nur unzureichend umgesetzt werden.

Laut Linksfraktionschefin Oldenburg werde durch die Entscheidung deutlich, dass entgegen dem Versprechen der SPD das Einkommen der Eltern doch über die Bildungschancen und -wege der Kinder bestimmt.

Schulweg ausschlaggebend 

Schwesig begründet die Entscheidung für eine Privatschule mit dem kurzen Schulweg. Statt der etwa 20 Minuten zur nächstgelegenen staatlichen Schule dauert der Weg zur Privatschule kaum fünf Minuten.

Das Schulgeld beträgt 200 Euro im Monat, kann nach Angaben des Schulgründers für Kinder aus ärmeren Familien aber auf bis zu 50 Euro gesenkt werden. Keinem Kind werde aus finanziellen Gründe der Zugang verwehrt, hieß es. Die Schule wird von einer in Rostock lebenden Privatperson betrieben und von einem Schulverein unterstützt. Schwesig mahnte, es gehe um Vielfalt im Bildungsangebot, und die unterschiedlichen Angebote dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Unterstützung erhielt Schwesig von der nicht im Landtag vertretenen FDP. Die Regierungschefin habe sich anhand der Qualität und persönlicher Bedürfnisse der Familie frei entschieden. Die "reflexartige Kritik" sei unangebracht, sagte der FDP-Politiker Hagen Reinhold, der für den Bundestag kandidiert. Auch die Landesarbeitsgemeinschaft Freier Schulen verwies auf das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Schulwahl.

(beaw/dpa/AFP)
 
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