kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

30.000 Bürger machen mit: Massenklage gegen Telefonüberwachung

zuletzt aktualisiert: 31.12.2007 - 12:10

Karlsruhe (RPO). Es ist die vermutlich größte Massenklage in Deutschland: Rund 30.000 Bürger wollen vor dem Verfassungsgericht gegen die sogenannte Vorratsdatenspeicherung klagen. Die Beschwerde ist heute in Karlsruhe eingereicht worden.

Die Beschwerde richtet sich gegen die sechsmonatige Speicherung aller Telekommunikations-Verbindungsdaten. Wie die Initiatoren mitteilten, haben rund 30.000 Menschen einen Rechtsanwalt mit der Verfassungsbeschwerde beauftragt. Der Antrag sei allerdings zunächst von acht sogenannten Erstbeschwerdeführern eingereicht worden, darunter ein Rechtsprofessor, ein Publizist und ein Strafverteidiger.

Nachdem das von der großen Koalition beschlossene Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung im Bundesgesetzblatt verkündet worden sei, habe der Berliner Rechtsanwalt Meinhard Starostik die Beschwerde eingereicht, hieß es. In der über 150-seitigen Beschwerdeschrift werde auch beantragt, die Datensammlung wegen "offensichtlicher Verfassungswidrigkeit" durch eine einstweilige Anordnung sofort auszusetzen.

Zur Begründung hieß es, das Gesetz stelle einen gravierenden Eingriff in die Grundwerteordnung des Rechtsstaates dar, das Verhalten von 80 Millionen Bundesbürgern ohne jeden Verdacht einer Straftat aufzeichnen zu lassen. "Sensible Kontakte" könnten nur noch durch persönliche Treffen abgewickelt werden oder müssten insgesamt unterbleiben, hieß es. Mit der unbefangenen Kommunikation gehe "die unverzichtbare Grundvoraussetzung eines demokratischen Staatswesens" verloren.

Dem neuen Gesetz zufolge werden Telekommunikationsdienstleister ab 2008 dazu verpflichtet, die Daten ihrer Kunden sechs Monate lang zu speichern. Festgehalten werden Rufnummer, Beginn und Ende der Verbindung, Datum und Uhrzeit sowie bei Handy-Telefonaten und SMS auch der Standort des Benutzers. Bundespräsident Horst Köhler hatte das Anfang November vom Bundestag beschlossene Gesetz Ende Dezember unterzeichnet.

Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung als Initiator der Verfassungsbeschwerde ist nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss von Bürgerrechtlern, Datenschützern und Internet-Nutzern, der sich für eine freie und offene Gesellschaft einsetzt.

Daten von Telefon- und Internetverbindungen sollen nach dem Inkrafttreten des umstrittenen Gesetzes nur von Polizei und Staatsanwaltschaft genutzt werden dürfen. "Verbindungsdaten dienen der Strafverfolgung, insbesondere der Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität, aber nicht der Befriedigung zivilrechtlicher Ansprüche der Musikindustrie", sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries dem Nachrichtenmagazin "Focus".

"Wenn wir anfangen, das zu erweitern, verliert der Staat an Glaubwürdigkeit", sagte Zypries. Die Musikindustrie hatte verlangt, Daten auch für Schadenersatzansprüche gegen Raubkopierer nutzen zu können. Zypries wies diese Forderungen zurück. "Es gibt hier eine klare Zweckbindung", sagte die SPD-Politikerin dem Magazin.

Zypries verteidigte zugleich weitere Datensammlungen und Überwachungsmethoden wie Videoaufzeichnungen. "Alle diese Daten darf der Staat nur erheben, speichern und nutzen, wenn er dafür eine spezielle Rechtsgrundlage hat. Wenn ein Staatsanwalt einen Mord aufklären muss, kann er natürlich nachforschen, wen ein Beschuldigter mit seinem Handy angerufen hat", sagte sie dem "Focus". Dafür sei jedoch erstens der Verdacht auf eine schwere Straftat und zweitens ein richterlicher Beschluss nötig.

Die Behörden müssten sich aber auch neuen technischen Möglichkeiten anpassen dürfen, sagte Zypries. "Wir müssen Lösungen finden, wie damit umzugehen ist, dass Kriminelle Verschlüsselungstechniken bei der Internetkommunikation nutzen. Die Polizei muss auf Augenhöhe bleiben - allerdings immer in engem, rechtsstaatlichen Rahmen."


 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

Bildungsministerin unter Druck

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

Der Gründer der Internet-Plattform VroniPlag erhebt schwere Vorwürfe gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan und fordert ihren Rückt ... mehr 

Romney vor Kandidatur für US-Präsidentenamt

Nach Vorwahl in Texas

Romney vor Kandidatur für US-Präsidentenamt

Mit einem Sieg bei der Vorwahl in Texas hat sich der US-Republikaner Mitt Romney die Nominierung als Präsidentschaftskandidat gesichert. mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

Betreuungsgeld

Gesetzentwurf erntet Kritik von allen Seiten

Innerhalb der schwarz-gelben Koalition ist die Mehrheit für den Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld nicht sicher. Die Unionsfrauen haben bereits angekündigt, dass sie dem Gesetzentwurf in dieser Form nicht zustimmen werden. Sie fordern eine ... mehr

 

Bildungsministerin unter Druck

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

 

Zukunft des umstrittenen Kohlekraftwerks

Rot-Grün sucht Datteln-Kompromiss

 

Bundespräsident auf Staatsbesuch

Joachim Gauck – Israels kritischer Freund

 

Drohender Verzug bei Bergung der Abfälle

Altmaier besucht Atommülllager Asse

 
Top-Services