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Renten-Chef Rische im Interview: "Mehr Rente für Arbeitslose"

zuletzt aktualisiert: 05.02.2010 - 20:33

Düsseldorf (RP). Der Chef der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, fordert im Interview mit unserer Redaktion eine höhere Rente für Langzeitarbeitslose, finanzielle Hilfen für Rentner bei der Krankenversicherung und mehr Disziplin in der Rentenpolitik. 

Herbert Rische spricht im Interview über Rente in der Zukunft.  Foto: ddp, ddp
Herbert Rische spricht im Interview über Rente in der Zukunft. Foto: ddp, ddp

Wie ist die Rentenversicherung durch die Krise gekommen?

Rische Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich eine Stabilisierung ab. Insofern steht auch die Rentenversicherung im Moment sehr stabil da. Die gesetzliche Rentenversicherung hat bewiesen, dass sie in Krisenzeiten im Vergleich zu den privaten Mitbewerbern Vorteile hat. Aber auch die Privaten sind bisher verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen. Keine Lebensversicherung ist in Deutschland pleite gegangen, auch kein betriebliches Vorsorgesystem. Zum Glück haben wir für die private Altersvorsorge ein relativ enges gesetzliches Korsett.

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Ist die deutsche Rentenversicherung ein Exportschlager?

Rische Im internationalen Vergleich ist die deutsche Sozialversicherung schon immer ein Exportschlager gewesen wir. Wir stehen im internationalen Vergleich sehr positiv da. Wir nörgeln hier auf hohem Niveau.

Wenn wir etwas Wasser in den Wein gießen dürfen.

Rische Gerne, die Fastenzeit beginnt ja bald.

Der Renten-Experte Börsch-Supan hat ausgerechnet, dass bestimmte Jahrgänge durch die Krise bis zu neun Prozent weniger Rente bekommen.

Rische Bei diesen Rechnungen bin ich immer sehr vorsichtig. Herr Börsch-Supan hatte angenommen, dass die Löhne 2009 um rund sechs Prozent sinken würden. Das ist nicht eingetreten. Wir bewegen uns vielmehr in dem Rahmen, der vor der Krise prognostiziert war.

Womit rechnen Sie?

Rische Nach den Zahlen, die bisher vorliegen, werden wir beim Beitragssatz bis zum Jahr 2020 nicht mehr als 20 und bis 2030 nicht mehr als 22 Prozent benötigen.

Auf wie viele Null- und Mini-Runden müssen sich die Rentner einstellen?

Rische Ich kann Ihnen die Frage ganz genau beantworten, wenn Sie mir verraten, wie sich die Löhne in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln werden.

Selbst wenn Sie keine exakten Vorhersagen treffen können, müssen Sie doch eine Perspektive aufzeigen.

Rische Im Moment gehen alle Prognosen davon aus, dass wir in diesem Jahr eine Null-Anpassung haben werden. Möglicherweise muss auch die Rentengarantie greifen. Die konkreten Zahlen werden wir Ende März haben.

Wenn sich die Einkommen längerfristig nicht besser entwickeln, wird auch bei den Rentnern nicht mehr ankommen. Was sagen Sie Senioren, die sich über zu niedrige Renten beklagen?

Rische Ich erkläre, dass die Renten von den Beiträgen der Arbeitnehmer bezahlt werden. Und frage dann: Möchten Sie, dass Ihre Kinder noch stärker belastet werden, damit die Renten steigen können? Da stoße ich auf Verständnis. Der Generationenzusammenhalt ist besser, als oft angenommen.

Brauchen wir mehr Disziplin in der Rentenpolitik?

Rische Ich rate, dass die Politik sich an das hält, was sie beschlossen hat. Das bedeutet, dass die Korrekturfaktoren, die man eingebaut hat, wirken müssen. Wenn man sich nicht daran hält, werden die geplante Beitragssatzhöhe und auch das geplante Niveau der Renten in den nächsten Jahren nicht haltbar sein.

Müssen Hartz-IV-Bezieher höhere Renten bekommen?

Rische Ich bin der Meinung, dass man für Langzeitarbeitslose höhere Anwartschaften in der Rente braucht. 2,09 sind zu wenig. Das ist natürlich nicht umsonst zu haben.

Ist der Zusatzbeitrag der Krankenkassen für die Rentner zumutbar?

Rische Für Rentner mit hohen Bezügen ist das zumutbar. Wenn jemand allein von einer niedrigen Rente lebt, ist das schwieriger.

Sollte es mit Blick auf die Rentner mit kleinem Einkommen einen Sozialausgleich ab dem ersten Euro geben?

Rische Wenn die Gesundheitskosten steigen, dann wird die Politik über Entlastungen für Rentner mit schmalen Renten nachdenken müssen. Für diejenigen, die alleine von der Rente leben, sind höhere Beiträge nur schwer zu schultern.

Sollte es auch für Pensionen einen Demografiefaktor geben?

Rische: Da ist schon einiges geschehen. Selbstverständlich müssen die demografischen Maßnahmen auch in das System der Pensionen übertragen werden.

Eva Quadbeck und Michael Bröcker führten das Gespräch.

Quelle: felt

 
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