Experten befürchten: Mehr Sitzenbleiber durch Abitur nach zwölf Jahren
zuletzt aktualisiert: 29.03.2006 - 14:23Düsseldorf (rpo). Experten haben das von der NRW-landesregierung geplante Modell zum Abitur nach zwölf Jahren scharf kritisiert. Es benachteilige Haupt- und Realschüler und führe zu mehr Schulabbrüchen und Wiederholungen.
Vertreter von Lehrer- und Schülerverbänden kritisierten am Mittwoch in einer Anhörung des Landtag-Schulausschusses, dass die Pläne zu einer Abkopplung des Gymnasiums von den anderen weiterführenden Schulformen führten und damit die angestrebte höhere Durchlässigkeit nicht erreicht werde. Zustimmung zu dem Modell kam unter anderem von den Eltern der Gymnasiasten.
Die Kritik richtete sich sowohl gegen das Modell einer dreijährigen Sekundarstufe II nach der neunten Klasse (9+3-Modell) sowie gegen die Reform der gymnasialen Oberstufe. Das eigentliche Ziel des neuen Schulgesetzes, eine höhere Durchlässigkeit zu erreichen, werde dadurch "konterkariert", sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Meyer-Lauber. Es müsse mit mehr abgebrochenen Schulkarrieren und weniger Abiturabschlüssen gerechnet werden.
Insbesondere durch das 9+3-Modell werde das Gymnasium weiter abgekoppelt und ein Aufstieg für Haupt- und Realschüler erschwert, warnte auch der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Die Erhöhung der Stundenzahl in der Sekundarstufe I werde zu einer Mehrbelastung der Schüler und damit zugleich zu einer Verschärfung der Selektion führen, möglicherweise auch die Zahl der Sitzenbleiber erhöhen.
Aufstieg wird erschwert
Die Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen in NRW erwartet ebenfalls, dass der Aufstieg für Haupt- und Realschüler erschwert wird. Die Landesschülervertretung appellierte an die Landesregierung, ihr Modell zu überdenken und es "nicht den Schülern zuzumuten". Durch die Reform der Oberstufe wachse die Gefahr, dass viele Schüler eine falsche Wahl des Studiums und Berufs träfen.
Die Landeselternschaft der Gymnasien begrüßte das Vorhaben dagegen. Das 9+3-Modell bedeute keine Abkopplung des Gymnasiums. Die Reform der Oberstufe führe zu einer besseren Studierfähigkeit der Schüler. Grundsätzliche Zustimmung kam auch von den Rheinischen und Westfälischen Direktorenvereinigungen. Sie betonten unter anderem, dass sich das System der Grund- und Leistungskurse nicht bewährt habe.
Der Entwurf der Landesregierung sieht vor, dass statt Leistungs- und Grundkursen demnächst Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache verpflichtend für die Abiturprüfung sind. Hinzu kommen eine weitere Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft (Profilfach) und ein Neigungsfach.
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