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Glos' Rücktrittsgesuch: Mehrere Nachfolger im Gespräch

zuletzt aktualisiert: 08.02.2009 - 13:59

München/Berlin (RPO). Die politische Zukunft von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bleibt ungewiss. Das Angebot zum Amtsverzicht des Ministers gelte weiter, sagte eine Sprecherin am Sonntag in Berlin. Damit steht es CSU-Chef Horst Seehofer frei, den Posten bis zur Bundestagwahl jederzeit neu zu besetzen. Als möglicher Nachfolger wird unter anderem CSU-Schatzmeister Thomas Bauer gehandelt.

In der CSU-Spitze wird mit einem raschen Amtswechsel gerechnet. Als mögliche Nachfolger von Glos werden in der CSU neben Landesgruppenchef Peter Ramsauer, der intern schon abgelehnt haben soll, die bisherige Parlamentarische Wirtschafts-Staatssekretärin Dagmar Wöhrl und CSU-Schatzmeister Thomas Bauer gehandelt.

Der Bau-Unternehmer Thomas Bauer ist bereit, im Falle eines Rücktritts von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) dessen Nachfolger zu werden. "Wenn die Konstellationen passen, bin ich bereit", sagte der 53-Jährige der "Augsburger Allgemeinen" (Montagsausgabe). Dies gelte auch für die Zeit noch vor der Bundestagswahl im Herbst. Er werde diesen Prozess allerdings "nicht aktiv vorantreiben", sagte Bauer.

Thomas Bauer kann sich gut vorstellen, Glos' Nachfolger zu werden. Foto: AP, AP

Dafür schätze er Glos zu sehr. Bauer, dessen Tiefbau-Unternehmensgruppe mit Sitz in Schrobenhausen rund 8100 Mitarbeiter beschäftigt, sagte, er habe in der Vergangenheit mehrmals mit Seehofer über politische Ämter geredet: "Seit Seehofer CSU-Chef ist, hat er mich etliche Male angesprochen, ob ich nicht ein hohes Amt in Bayern oder im Bund übernehmen wolle." Auf die Nachfrage, was mit einem hohen Amt gemeint sei, sagte Bauer demnach: "Ein Ministeramt."

Laut Tageszeitung "Die Welt" kehrte Bauer am Wochenende von einer zehntägigen Geschäftsreise aus Südostasien zurück. Bauer habe am Sonntagmorgen mit Seehofer telefoniert. Nun müsse "man schauen, was passiert", sagte Bauer der "Welt". Er dränge sich nicht nach der Nachfolge: "Ich treibe keinen Minister aus dem Amt", sagte Bauer demnach. Die Nachfolgeregelung für Michael Glos sei schließlich "nicht nur eine Entscheidung von Horst Seehofer".

Glos wäre erst der dritte Minister, den Merkel seit der Ernennung ihres schwarz-roten Kabinetts im November 2005 ersetzen muss. Nach Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD), der aus persönlichen Gründen zurückgetreten war, folgte im Oktober vergangenen Jahres Seehofer wegen seines Amtswechsels nach Bayern.

Überraschendes Rücktrittsangebot

Noch am Samstag hatte Seehofer das überraschende Rücktrittsangebot von Glos abgelehnt. Während FDP und Wirtschaft die Ankündigung des Ministers bedauerten, forderten die Grünen seine sofortige Entlassung.

Als Grund für sein Rücktrittsgesuch nannte Glos die Frage der personellen Glaubwürdigkeit. Dazu gehöre auch, "vor der Wahl genau zu wissen, welche Personen nach der Wahl für führende Ämter zur Verfügung stehen", zitierte die "Bild am Sonntag" aus dem Schreiben an Seehofer. "Bereits vor dem großen Neuanfang in der Bayerischen Staatsregierung und an der Parteispitze hatte ich dir angeboten, auch über mein Ministerium disponieren zu können. Ich bitte dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden."

Eine Ministeriumssprecherin sagte, Glos habe klargestellt, dass er dem neuen Bundeskabinett ab Herbst nicht mehr angehören wolle. Zudem wollte der CSU-Politiker die Möglichkeit eröffnen, dass die CSU schon mit einer anderen Person auf diesem Posten in den Bundestagswahlkampf geht. An dieser Grundaussage habe sich auch nach der Erklärung von Seehofer "nichts geändert".

Seehofer, der von der Ankündigung seines Parteifreundes offensichtlich überrascht wurde, telefonierte zunächst mit Glos. Anschließend sagte der CSU-Chef, er werde Glos' Bitte um Entbindung von seinen Ministerpflichten "nicht entsprechen". Die vom Minister dargelegten Beweggründe für das Rücktrittsangebot werde er in einem persönlichen Gespräch mit ihm erörtern. Ein solch klärendes Gespräch wird spätestens für Montag erwartet. Dann werde es "zu einer Lösung kommen", hieß es.

Ramsauer unterstützt Glos

Für FDP-Chef Guido Westerwelle zeigt Glos' Schritt, "dass die letzten Anhänger der sozialen Marktwirtschaft an dieser Regierung und in dieser Regierung verzweifeln". Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, lobte Glos, der die Anliegen der deutschen Wirtschaft im politischen Meinungsbildungsprozess überzeugend vertreten habe. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sicherte seinem Minister die volle Solidarität zu.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte derweil Merkel auf, das Rücktrittsangebot von Glos sofort anzunehmen. "Es ist schädlich für Deutschland, einen Wirtschaftsminister zu halten, der selber meint: 'Holt mich hier raus'", sagte Künast. Für die Linke war Glos "von Anfang eine Fehlbesetzung als Wirtschaftsminister".

Quelle: DDP

 
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