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UN-Jahr der Biodiversität: Merkel: Artensterben ist "beängstigend"

zuletzt aktualisiert: 11.01.2010 - 14:26

Berlin (RPO). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert mehr Anstrengung für den weltweiten Artenschutz. In ihrer Rede zur Eröffnungsveranstaltung des UN-Jahres der biologischen Vielfalt sagte sie: "Der Schutz der biologischen Vielfalt hat dieselbe Dimension wie die Frage des Klimaschutzes". Naturschutz sei auch für den Menschen eine Existenzfrage, betonte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU).

Kanzlerin Angela Merkel will für den Artenschutz kämpfen.  Foto: ddp, ddp
Kanzlerin Angela Merkel will für den Artenschutz kämpfen. Foto: ddp, ddp

"Wir brauchen eine Trendwende, jetzt unmittelbar, nicht irgendwann", verlangte Merkel in ihrer Rede. Sie räumte allerdings ein, dass das international vereinbarte Ziel, den Verlust an Artenvielfalt bis Ende 2010 deutlich zu verringern, nicht mehr erreichbar sei. Sie nannte es "beängstigend", dass die Verlustrate an Arten sich noch weiter beschleunige und inzwischen durch menschliche Einwirkung hundert- bis tausendmal höher sei, als es natürlicherweise der Fall wäre. Um diesen Trend umzukehren, seien auch zusätzliche finanzielle Anstrengungen erforderlich.

Merkel bekräftigte ihre 2008 auf der UN-Biodiversitätskonferenz in Bonn gegebene Zusage, ab 2013 jährlich 500 Millionen Euro für den Waldschutz bereitzustellen. Bereits jetzt seien die Mittel auf rund 250 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt worden, die unter anderem in Projekte der sogenannten Lifeweb-Initiative fließen. Die Kanzlerin forderte auch erneut den Aufbau einer eigenständigen UN-Umweltorganisation, um die Anstrengungen für Arten- und Klimaschutz zu bündeln.

Artensterben beeinflusst auch die Wirtschaft

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wies auf der Auftaktveranstaltung darauf hin, dass weiterhin pro Jahr rund 13 Millionen Hektar Waldfläche weltweit vernichtet werden. Auch 80 Prozent der karibischen Korallenriffe seien bereits zerstört. In Deutschland sind rund ein Drittel der heimischen Tier- und ein Viertel der Pflanzenarten bestandsgefährdet. Um dem entgegenzuwirken, kündigte er ein "Bundesprogramm Biologische Vielfalt" an.

Mit dem Verlust an Artenvielfalt gingen aber auch wichtige "Dienstleistungen der Ökosysteme für menschliches Wirtschaften" verloren, mahnte Röttgen. "Naturschutz ist kein Luxusthema, sondern es geht um unsere Existenz", stellte er klar. Die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) bezifferte allein den wirtschaftlichen Wert der Bestäubungsfunktion der Biene mit rund 150 Milliarden Euro.

Weltweites Netz von Schutzgebieten

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief in einem per Video eingespielten Grußwort ebenfalls dazu auf, das UN-Jahr der Biodiversität zu einem Signal des Handelns zu machen. Mit dieser Initiative will die UNO die stockenden Anstrengungen voranbringen, dem weltweiten Artensterben Einhalt zu gebieten. Deutschland hält derzeit den Vorsitz der UN-Biodiversitätskonvention (CBD). Ziele der Konvention sind ein weltweites Netz von Schutzgebieten zu Lande und auf See und ein verstärkter Schutz besonders der artenreichen tropischen Wälder. Letzteres soll auch dem Klimawandel entgegenwirken.

Auf der nächsten CBD-Konferenz im Oktober im japanischen Nagoya soll zudem ein Abkommen über einen gerechten Vorteilsausgleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern bei der Nutzung genetischer Ressourcen beschlossen werden. "Ressourcenreichtum muss in erster Linie den Ländern zugute kommen, aus denen das kommt", verlangte Merkel. Der Leiter des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner, mahnte von den Industriestaaten eine größere "Bereitschaft zum Teilen" an.

Quelle: AFP/awei

 
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