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Deutscher Botschafter einbestellt: Merkel empfängt Dalai Lama - und verärgert China

zuletzt aktualisiert: 14.09.2007 - 20:57

Berlin (RPO). Bundeskanzlerin Angela Merkel will am 23. September den Dalai Lama offiziell im Bundeskanzleramt empfangen. Dies hat noch kein Bundeskanzler vor ihr getan. Die chinesische Regierung reagierte empört über die Einladung und bestellte prompt den deutschen Botschafter ein. Der Friedensnobelpreisträger aus Tibet gilt in China als Staatsfeind.    

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte, dass der Botschafter ins Pekinger Außenamt "gebeten" worden sei. Peking betrachtet Tibet als chinesische Provinz und sieht in dem seit 1959 im indischen Exil lebenden Dalai Lama einen Separatisten. Seit geraumer Zeit verlangt Peking, dass Deutschland dem Dalai Lama die Einreise verweigern möge.

Das für Sonntag in einer Woche angekündigte etwa einstündige Treffen ist das erste, zu dem das religiöse und weltliche Oberhaupt der Tibeter im Kanzleramt empfangen wird, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mitteilte. Die Unterredung sei allerdings privater Natur und stehe im Rahmen der Zusammenkünfte der Kanzlerin mit Religionsführern. Die Zusammenkunft des Dalai Lama stehe in der Kontinuität dieser Treffen, betonte Wilhelm.

Besuche in Deutschland stets heikel

Die Tibet betreffenden Fragen und die Menschenrechtsproblematik werden laut Wilhelm mit China immer wieder erörtert. Dies gelte sowohl für das bilaterale Verhältnis als auch für das Verhältnis der EU zu China.

Merkel hatte den Chef der tibetischen Exilregierung bereits am 17. Juni 2005 in ihrer Eigenschaft als CDU-Vorsitzende empfangen. 1990 wurde er von dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker begrüßt.

Obwohl deutsche Regierungschefs Treffen mit dem Friedensnobelpreisträger bisher vermieden, sind dessen Besuche in deutschen Amtssitzen nicht neu: Außenminister Joschka Fischer empfing den Dalai Lama 1999, 2003 und 2004 im Auswärtigen Amt.

Das Treffen 2003 verband der Dalai Lama mit einer Visite bei Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Fischers Amtsvorgänger Klaus Kinkel irritierte den tibetischen Gast jedoch, weil der FDP-Politiker die Annahme des Gebetsschals aus weißer Seide, der traditionell überreicht wird, verweigerte.

Die tibetische Exilregierung führt über die Besuche des Dalai Lama akribisch Liste. Danach sprach er 1954 auch mit Mao Tse Tung und seit 1956 mit allen Präsidenten, Vizepräsidenten und Ministerpräsidenten seines Gastlandes Indiens. Die umfangreiche Liste enthält Treffen mit US-Präsidenten, Päpsten, Königen, Staats- und Regierungschefs zahlreicher Länder.

Quelle: ap

 
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