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Verbalattacken gegen die Kanzlerin
Merkel bei Wahlkampfauftritt wüst beschimpft

Merkel erntet Beschimpfungen bei Wahlkampfauftritten in Sachsen und Thüringen
Annaberg-Buchholz/Apolda. Trillerpfeifen, Beleidigungen, "Hau ab"-Rufe – Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bei einem Wahlkampfauftritt in der sächsischen Kleinstadt Annaberg-Buchholz massiv beschimpft worden. 

Rund 150 Menschen aus dem Umfeld der asyl- und fremdenfeindlichen "Pegida"-Bewegung und Anhänger der AfD fanden sich am Donnerstag auf dem Marktplatz ein, um der Kanzlerin einen ohrenbetäubenden Empfang zu bereiten. Auch ein Auftritt Merkels in Thüringen wurde von heftigen Beschimpfungen begleitet.

In Annaberg stand auf Plakaten "Volksverräter", "Nicht meine Kanzlerin" oder "Merkels DDR 2.0" zu lesen. Die Polizei erteilte mehrere Platzverweise. Insgesamt seien neun Straftaten registriert worden: zweimal das Zeigen des Hitlergrußes, drei Beleidigungen, drei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie einmal Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, teilte die Polizei mit. 

"Merkel soll einfach mal wieder ihr Volk wahrnehmen", zitiert die "Freie Presse" aus Chemnitz einen Mann, der mit Trillerpfeife nach Annaberg-Buchholz gekommen ist. Eine CDU-Anhängerin sagte dagegen der Zeitung in Bezug auf die Beschimpfungen: "Ich habe mich ein Stück weit für diese Leute geschämt. Das ist keine politische Kultur."

Merkel: "Manche können nur schreien"  

In der sächsischen Kleinstadt Annaberg-Buchholz empfingen rund 150 Demonstranten Angela Merkel mit einem Trillerpfeifen-Konzert und Beschimpfungen. FOTO: dpa, skh

Merkel wurde von einem starken Aufgebot an Sicherheitskräften geschützt. Vor mehreren hundert, teils geladenen Zuhörern ging sie schon zu Beginn der Veranstaltung auf wütende Demonstranten ein: "Manche können nur schreien, manche wollen etwas bewegen, andere rufen nur", sagte sie.

Angesichts der fremdenfeindlichen "Pegida"-Anhänger verteidigte die Kanzlerin die Flüchtlingspolitik ihrer Regierung: "Wir haben gezeigt, dass wir bereit sind, Menschen zu helfen, die in Not sind. Das war ein gutes Stück Deutschland in einer humanitären Notlage."

Ein Jahr wie 2015 solle und dürfe sich aber nicht wiederholen, sagte Merkel. Es sei aber nicht Politik der Union, eine Gruppe gegen eine andere auszuspielen. "Wir unterscheiden nicht, sondern wir akzeptieren auch Unterschiede."

Auch bei Justizminister Maas gab es Proteste  

Beim Wahlkampfauftakt der thüringischen CDU auf dem Gelände der Landesgartenschau in Apolda riefen rund 30 Menschen: "Hau ab", "Lügenpack", "Heuchler" oder "Volksverräter". Auf einem Transparent stand: "Grenzen hoch und Schotten dicht"; auf einem anderen: "Wer CDU wählt, wählt unbegrenzte Einwanderung von Scheinasylanten". Merkel sagte mit Blick auf die Rufe nur: "Ja, kennen wir ja schon."

Vor einem Monat hatte es bereits bei Besuchen von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) in Dresden und Zwickau lautstarke Proteste aus dem "Pegida"- und AfD-Umfeld gegeben.

 

(beaw/das/dpa)
 
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