Besuch im ehemaligen Stasi-Knast: Merkel würdigt Mut des DDR-Widerstands
zuletzt aktualisiert: 05.05.2009 - 15:50Berlin (RPO). Kanzlerin Angela Merkel hat am Dienstag das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen besucht. Merkel legte einen Kranz für Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft nieder und ließ sich von einem Ex-Insassen die Zellen zeigen. Die aus der Uckermark stammende Merkel setzte sich für eine stärkere Würdigung der Leistungen des DDR-Widerstands ein.
"Wir sollten in diesem Jahr 2009 ganz besonders an die denken, die Mut bewiesen haben", sagte sie am Dienstag in Berlin. Merkel nannte die Bürgerrechtler, aber auch Flüchtlinge, die der DDR aus Ablehnung des politischen Systems den Rücken gekehrt haben oder es zumindest versucht haben. Die Erinnerung an diese Menschen könne auch heute noch eine Ermutigung sein.
Merkel legte einen Kranz für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft nieder und sprach mit ehemaligen Häftlingen und Schülern. Die Gedenkstätte zeige, "in welcher brutalen Art und Weise die Würde der Menschen verletzt wurde", sagte die Kanzlerin nach einem Rundgang durch die Zellentrakte
63-jähriger Ex-Häftling zeigte Merkel die Zellen
In Hohenschönhausen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein sowjetisches Internierungslager eingerichtet und danach das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis für Ostdeutschland. 1951 übernahm das DDR-Ministerium für Staatssicherheit das Gefängnis und nutzte es bis 1990 als zentrale Untersuchungshaftanstalt. 1992 wurde der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz gestellt und zwei Jahre später zur Gedenkstätte erklärt, die inzwischen jährlich von etwa 250.000 Menschen besucht wird.
Merkel wurde von dem 63-jährigen Gilbert Furian durch die Gedenkstätte geführt. Er saß sieben Monate in Hohenschönhausen, weil er Texte verfasst und verbreitet hatte, die die Stasi für systemfeindlich hielt. "Ich komme jedes Mal, wenn ich hier Führungen mache, mit dem Gefühl der Befriedigung her, dass sie es nicht geschafft haben", sagte er. Jetzt sei er es, der die Zellentüren auf- und zuschließe.
Er finde es beachtlich, dass die Kanzlerin dem Ort "ihre Referenz und ihren Respekt" erweise, sagte Furian. Der 20. Jahrestag des Mauerfalls sei ein guter Anlass, sich noch einmal zu vergewissern: "Was ist das da genau gewesen, was wir da jetzt hinter uns gelassen haben?"
Furian zeigte Merkel die sechs Quadratmeter kleinen Zellen mit den schlichten Holzpritschen, die Verhörzimmer und eine Gummizelle. Die Kanzlerin sagte anschließend, es sei "ganz, ganz wichtig ..., dass wir dieses Kapitel der DDR-Diktatur nicht ausblenden, nicht vergessen". Die Erfahrungen von Zeitzeugen müssten an die jüngeren Generationen weitergegeben werden.
"Apotheke gegen DDR-Nostalgie"
Gedenkstättenleiter Hubertus Knabe bezeichnete den Besuch Merkels als wichtige politische Geste. Das ehemalige Stasi-Gefängnis sei eine Art "Apotheke gegen DDR-Nostalgie". Jeder, der sich davon überzeugen wolle, dass die DDR ein Unrechtsstaat war, sollte hierher kommen.
Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, hatte kürzlich davor gewarnt, die DDR als Unrechtsstaat zu verdammen, und damit die Debatte über den Umgang mit dem DDR-Erbe angeheizt. Knabe zeigte sich besorgt darüber, "dass sich auch in der Politik die Stimmen mehren, diese Diktatur aus der Perspektive der Mittäter oder sogar der Täter zu betrachten".
Der Historiker mahnte eine bessere Aufklärung über die DDR-Vergangenheit an Schulen an. Der Wissensstand sei sehr beunruhigend, sagte er. Es gebe Menschen, die den früheren Stasi-Chef Erich Mielke für einen Schriftsteller hielten. "Das ist vor allem für die Verfolgten sehr schmerzhaft."
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