Kommandeur der Libanon-Flotte: Merkels Admiral
VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 22.09.2006 - 20:41Wilhelmshaven (RP). Er hat unter anderem Pädagogik studiert: Andreas Krause leitet den Marine-Verband, der gestern zur Küste des Libanon aufgebrochen ist. Obwohl er viele Jahre U-Boot-Fahrer und U-Boot-Kommandant gewesen ist, bedient der Kommandeur dieser Flotte allerdings Marine-Klischees nicht. Wer genau ist dieser Andreas Krause, Merkels Admiral?
Abschiedsküsse, Tränen und Marschmusik - durchaus filmreif war gestern das Auslaufen des deutschen Libanon-Verbandes aus Wilhelmshaven. Obwohl er viele Jahre U-Boot-Fahrer und U-Boot-Kommandant gewesen ist, bedient der Kommandeur dieser Flotte allerdings Marine-Klischees nicht: Flottillenadmiral Andreas Krause (49) sieht nicht aus wie ein griesgrämiger Seebär oder der „Alte“ aus dem Film „Das Boot“.
Der Familienvater Krause ist ein moderner Offizier, studierter Pädagoge und steht auch bei heiklen Lagevorträgen im Verteidigungsministerium oder vor internationalen Nato-Stäben smart und analytisch denkend seinen Mann.
1976 wurde er Soldat bei der Marine. Wie bei Generalstabsoffizieren der Bundeswehr üblich, wechselte der gebürtige Lübecker im Lauf seiner Karriere häufig von der Schiffsbrücke in den Hörsaal oder an den Schreibtisch.
Gegen Waffenschmuggler
Seit Anfang Juni kommandiert Krause die neu gebildete Einsatzflottille 1 der Marine in Kiel. Dieser Großverband umfasst unter anderem Schnellboote, Minensucher und U-Boote. Dies passt zu Krauses neuer Aufgabe. In zwei Wochen gilt es, den Waffenschmuggel vor der Küste des Libanon zu unterbinden.
Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel beschriebene „historische Dimension“ stellt Krause nicht gern in den Mittelpunkt. Er sagte auch gestern bei der Abschiedszeremonie lieber bescheidener, mit dieser Uno-Mission betrete die deutsche Marine „Neuland“. „Ich bin mir aber sicher, dass uns in diesem Einsatz nichts begegnen wird, mit dem wir nicht fertig werden können“, beruhigte er die Soldaten und ihre Angehörigen und versicherte: „Mein oberstes Bestreben ist es, alle mir anvertrauten Soldaten gesund wieder nach Hause zu bringen.“
Eine glückliche Heimkehr wünschte auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung den Soldaten. Beim feierlichen Appell vor dem Auslaufen betonte der Minister, dass der Einsatz vor der Küste Libanons „eine schwierige, aber wichtige Mission“ sei. Es gehe darum, einen „dauerhaften Frieden in Nahost“ zu schaffen.
Tränen flossen
Nicht nur wegen der möglichen Gefahren floss gestern am Pier so manche Träne: Auch Krauses Frau und seine beiden Kinder werden ein halbes Jahr warten müssen, bis sie ihren Vater wiedersehen dürfen. Seinen 50. Geburtstag wird er wohl am 11. Oktober auf der Brücke seines Führungsschiffs, der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“, verbringen.
Das Schiff wurde schon 1995 vor seinem Stapellauf berühmt: Es kippte spektakulär im Trockendock um und wurde erheblich demoliert - negative Schlagzeilen, die Admiral Krause mit seinem Einsatzverband auf jeden Fall vermeiden will. Neben der „Mecklenburg-Vorpommern“ gehören die Fregatte „Karlsruhe“, der Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“, der Tender (Begleitschiff) „Elbe“ sowie die Schnellboote „Nerz“, „Dachs“, „Ozelot“ und „Hyäne“ zum deutschen Marineeinsatzverband „Unifil“. Besonders die einst für die kalte Ostsee gebauten Schnellboote haben eine anstrengende Tour vor sich. Sie müssen wegen der hohen Wassertemperaturen mit gedrosseltem Tempo fahren und Ruhepausen einlegen. Denn zum Fahrbetrieb werden alle 34 Mann der Besatzung gebraucht.
Lehrveranstaltungen und Übungen
Unter den 1000 Seeleuten, die in Richtung Libanon starteten, sind 44 Frauen, darunter die 25-jährige Rettungssanitäterin Mandy Schulzendorf. Dass sie an Bord allein unter über 30 Männern sei, schrecke sie nicht, meinte sie lachend zu einem Reporter. Admiral Krause will seine Soldaten ohnehin während der Seereise intensiv mit Lehrveranstaltungen und Übungen beschäftigen.
Am Auslaufzeremoniell nahmen auch die Besatzungen einer dänischen Korvette und von zwei dänischen Schnellbooten teil, die zum Einsatzverband gehören; später stoßen niederländische, schwedische und norwegische Einheiten hinzu. Diese multinationale Flotte, so weiß der Admiral, muss er unterwegs noch zu einem Verband zusammenschweißen.
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