Die Kanzlerin im Wahlkampf: Merkels Schmusekurs
VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 11.08.2009 - 21:26Berlin (RP). Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat der Wahlkampf begonnen. Während sich ihr Widersacher Frank-Walter Steinmeier in einer Pressekonferenz angriffslustig präsentiert, setzt die Kanzlerin ihren Schmusekurs fort. Ein Besuch bei ihrem alten Mentor Helmut Kohl, das harmonische Interview bei RTL und sogar ein Lob für Steinmeier belegen dies eindrucksvoll.
Wer sich im Wahljahr drei Wochen Urlaub leistet, muss sich seiner Sache schon sicher sein. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist es. Ihr Weg zur Erhaltung der Macht lautet: Keinen Fehler machen. Entsprechend fällt ihr Wahlkampfauftakt aus.
Am Montagabend von 17 bis 19.30 Uhr traf sie erstmalig ihren Vorgänger Helmut Kohl in dessen Privathaus in Ludwigshafen-Oggersheim. Spannend und entspannend zugleich sei der Abend verlaufen, heißt es. Die beiden tauschten Erinnerungen aus. Nach außen sollte das Bild der Versöhnung entstehen. Schließlich hatte die CDU-Politikerin sich als erste vom Übervater der Partei abgewandt, als die Spendenaffäre der Christdemokraten 1999 ihrem Höhepunkt zueilte.
RTL-Interview in Harmonie
Schmusekurs auch beim RTL-Sommerinterview mit dem netten TV-Moderator Peter Kloeppel. In entspannter Atmosphäre im Neuen Haus am See, in Berlins grüner Lunge Tiergarten, ging es ab 15 Uhr um Krisenbewältigung, Wachstum und Rettung von Industrieunternehmen. Die Kanzlerin dozierte etwas, gab mitunter Nachhilfe oder rückte das eine oder andere gerade.
"Wir müssen erst einmal Wachstum erzeugen", lautete ihre zentrale Botschaft. Bei so viel Allgemeinplätzen gab es sogar Lob für den "Deutschlandplan" des Konkurrenten Frank-Water Steinmeier. "Ich finde es gut, dass sich alle ernstzunehmenden Parteien wie Union, FDP, SPD und Grüne um Arbeitsplätze bemühen", machte Merkel kund. Da gebe es viele Gemeinsamkeiten.
Lob und Kritik zu Steinmeiers Deutschlands-Plan
Zu kritisieren habe sie allerdings, dass Steinmeier konkrete Zahlen wie die vier Millionen Jobs nenne, die bis 2020 entstehen sollten. "Damit ist doch schon mein Vorgänger Gerhard Schröder gescheitert", meinte die Regierungschefin. Und dachte wohl auch an eigene, zu detaillierte Pläne, die ihr bei der Bundestagswahl von 2005 fast die Kanzlerschaft gekostet hätten.
Etwas Tribut zollte dann auch die christdemokratische Weichzeichnerin der parteipolitischen Auseinandersetzung. "Man muss im Wahlkampf auch mal ein kritisches Wort sagen können", erklärte die Amtsinhaberin, als sie von Fernseh-Moderator Kloeppel nach dem direkten Duell mit Steinmeier gefragt wurde.
Auf die anstehende Wahlkampftour gehe sie gerne, meinte die Regierungschefin, die gestern ihre Arbeit offiziell aufnahm. "Es macht Freude, durch Deutschland zu ziehen", bekannte Merkel. "Es ist nur nicht schön, wenn es regnet."
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