Gespräche auf dem Schulhof: Migranten lehnen Deutschpflicht ab
zuletzt aktualisiert: 15.10.2010 - 15:39Berlin/Osnabrück (RPO). Auf den Schulhöfen soll nur noch Deutsch gesprochen werden, fordern Koalitionspolitiker. Doch Migrantenverbände halten dagegen und bezeichnen die Forderung als "einen gesellschaftlichen Skandal ersten Ranges".
FDP-Generalsekretär Christian Lindner hatte am Mittwoch in der "Bild"-Zeitung eine Deutschpflicht auf Schulhöfen angeregt. Es helfe der Integration, wenn Deutsch nicht nur im Unterricht gesprochen werde, sondern auch auf dem Pausenhof, sagte er.
Damit stieß er auf harte Kritik: Im Einwanderungsland Deutschland müssten Mehrsprachigkeit und der Wert kultureller Vielfalt anerkannt und gefördert werden, heißt es in einer aktuell veröffentlichten Erklärung der Migrantenverbände.
Die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, einschließlich der Muttersprachen der Zuwanderer, müsse verstärkt Anerkennung und Wertschätzung erfahren, heißt es weiter. Ferner sollten die Bildungseinrichtungen alle Kinder und Jugendliche unter besonderer Berücksichtigung ihres kulturellen Hintergrundes individuell fördern.
Kinder brauchen Muttersprache
Besonders kritisieren die Verbände die "immer mehr um sich greifende Deutschpflicht auf den Schulhöfen". Das führe zur Stigmatisierung der Migrantensprachen, betonten sie. Zudem widerspreche die Deutschpflicht internationalen und nationalen Vereinbarungen, die die Bundesregierung beziehungsweise die Bundesländer unterzeichnet hätten.
Gleichzeitig heißt es in der Erklärung: "Die Erstrangigkeit der deutschen Sprache ist für uns selbstverständlich." Die Auszeichnung von Schulen dafür, dass sie Migrantenkindern untersagen, in den Schulpausen ihre Muttersprache zu sprechen, sei jedoch "ein gesellschaftlicher Skandal ersten Ranges".
Schünemann warnt vor Konsequenten
Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hat die Forderung nach einer Deutschpflicht auf Schulhöfen zuvor kritisiert. "Wir sollten uns davor hüten, reine Symbolpolitik zu betreiben", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Eine Regelung, die Deutsch als verpflichtende Sprache auch auf Pausenhöfen vorschreibe, "trüge nur neue Konflikte in die Schulen hinein", warnte der Sprecher der Unions-Innenminister.
Er halte es aber "für absolut richtig", dass in Schulen Deutsch gesprochen werde, sagte Schünemann. Um Sprachprobleme bis zum Schulalter zu beheben, sei eine "frühzeitige Sprachförderung junger Migranten in den Kindergärten" erforderlich. Schünemann plädierte dafür, im Grundgesetz "ein klares Bekenntnis zur deutschen Sprache" abzugeben und Deutsch als Landessprache darin festzuschreiben. Er halte das für ein wichtiges Signal.
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