Franz Josef Jung skeptisch: "Militärisch ist Afghanistan nicht zu gewinnen"
zuletzt aktualisiert: 28.02.2008 - 09:47Hannover (RPO). Verteidigungsminister Franz Josef Jung ist skeptisch, was die Lage in Afghanistan angeht. "Mit militärischen Mitteln allein ist Afghanistan nicht zu gewinnen", sagte Jung. Er sprach sich für eine enge Verzahnung der zivilen Entwicklungshilfe mit dem Einsatz von Soldaten aus.
Das erklärte Jung im Gespräch mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die internationale Schutztruppe ISAF dürfe nicht als Besatzer auftreten, sondern müsse sich als Unterstützer beim Aufbau des Landes engagieren. Anders sei das Vertrauen der Bevölkerung nicht zu gewinnen.
Jung äußerte Verständnis für die Forderung der NATO, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Als Verantwortlicher für die deutschen Streitkräfte müsse er diese Bitte aber zurückweisen. "Wenn alle soviel tun würden wie wir, dann hätten wir 10.000 Soldaten mehr am Hindukusch", sagte der Minister.
Die Bundeswehr sei dort mit immerhin 3500 Mann im Einsatz. "Damit sind wir in Afghanistan der drittgrößte Truppensteller", hob der CDU-Politiker hervor.
Jung bekräftigte, Afghanistan benötige Hilfe beim Aufbau einer eigenen "Sicherheitsarchitektur". Das Land müsse in die Lage versetzt werden, selbst für eine friedliche Entwicklung zu sorgen. Deshalb unterstütze die Bundeswehr den Aufbau der afghanischen Armee und der Polizei.
Dies sei auch für die Sicherheit in Deutschland von großer Bedeutung. "Niemand kann ein Interesse daran haben, dass Afghanistan zurückfällt und dort wieder Ausbildungslager für Terroristen betrieben werden", stellte Jung weiter klar.
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