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Gymnasiasten leiden unter Turbo-Abi: Ministerin will Schulaufgaben verringern

VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 21.08.2009 - 21:29

Düsseldorf (RP). Die Lehrer an Nordrhein-Westfalens Schulen sollten behutsam sein beim Erteilen von Hausaufgaben, mahnt Ministerin Barbara Sommer. Experten geben ihr Recht.

Die Gymnasiasten in NRW leiden unter der Verkürzung der Zeit bis zum Abitur von neun auf acht Jahre und vor allem unter zu vielen Hausaufgaben. So lautet die gängige Kritik am "Turbo-Abitur". In einer Expertenrunde stellte Schulministerin Sommer jetzt unmissverständlich klar, dass es keine Verpflichtung gebe: "Die Lehrer müssen nicht unbedingt Hausaufgaben erteilen."

Als pädagogisches Instrument machten Hausaufgaben nur dann Sinn, wenn sie kontrolliert würden und der Vorbereitung auf die nächste Unterrichtsstunde dienten. Sie könne sich Schulen vorstellen, die ganz auf Hausaufgaben verzichteten. Allerdings führe am Erlernen von Vokabeln kein Weg vorbei. Die CDU-Politikerin verwies auf die Möglichkeit, im Klassenbuch den geschätzten Zeitaufwand für Hausaufgaben pro Unterrichtsfach zu vermerken.

NRW-Schulministerin Barbara Sommer Foto: ddp

Auf diese Weise sei die Belastung der Schüler besser kalkulierbar. In den Gymnasialklassen fünf und sechs sind 90 Minuten vorgesehen, in den Klassen sieben bis neun 120 Minuten. An Tagen mit Nachmittagsunterricht dürfen keine Hausaufgaben für den nächsten Tag aufgegeben werden. Die Beschränkungen gelten nicht für die Oberstufe.

Die meisten Eltern seien zwar für das Turbo-Abitur, doch werde häufig über Mangel an Fachlehrern und zu viele Hausaufgaben geklagt, wandte die Vorsitzendeder Landeselternschaft Gymnasien, Gabriela Custodis, ein. Für Peter Silbernagel, Landesvorsitzender des Philologenverbandes, sind Schularbeiten "nicht für alle Zukunft sakrosankt". Konrad Großmann, Vorsitzender der Rheinischen Direktorenvereinigung, bezeichnete es als wichtig, dass junge Leute ein Gedicht auswendig lernen. Das verschaffe ihnen ein Erfolgserlebnis.

Hausaufgaben in der Oberstufe seien "absolut notwendig". Sie böten Gelegenheit, ein Thema in längeren Zusammenhängen zu bearbeiten, so der Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin (Bonn) zu unserer Zeitung. In den unteren Klassen seien sie wenig produktiv, weil die Kontrolle zu viel Zeit beanspruche. Ladenthin verwies auf eine unveröffentlichte Studie, wonach "bis zu 50 Prozent der Unterrichtszeit draufgehen".

Wie hoch die Belastung der Schüler tatsächlich sei, lasse sich nicht sagen, weil es in Gymnasien "sehr diffuse Lerngruppen gebe ­ von hochmotivierten Schülern bis hin zu Lernschwachen".


 
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