Weitere Fälle nicht ausgeschlossen: Misshandlung: Struck lässt 18 Vorfälle untersuchen
zuletzt aktualisiert: 08.12.2004 - 18:33Berlin (rpo). Die Bundeswehrführung untersucht inzwischen offenbar 18 Fälle von Misshandlung oder ähnlichen Verstößen. Nach Medienberichten ließen in acht Fällen Ausbilder auf eigene Faust Geiselnahmen üben. In einem Fall soll ein Ausbilder seine Untergebenen geschlagen und mit der Waffe bedroht haben.
Verteidigungsminister Peter Struck hat nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" 18 Vorfälle dem Parlament gemeldet. Sie beruft sich auf einen 14-seitigen Zwischenbericht, der dem Verteidigungsausschuss zugeleitet worden sei. Weitere Fälle von Verfehlungen bei der Rekruten-Ausbildung schließt das Ministerium offenbar nicht aus.
Aus dem Papier geht hervor, dass die Bundeswehr-Führung insgesamt acht Fälle ausgemacht habe, bei denen wie in Coesfeld vorschriftswidrig Gefangennahme oder Geiselbefreiung von Ausbildern auf eigene Faust geübt wurden. Dabei sei es zumindest zu "Verstößen gegen die Grundsätze der Menschenführung", wenn nicht gar zu Misshandlungen gekommen, wie das Blatt unter Berufung auf den Bericht schreibt.
Weitere acht Fälle nennt den Angaben zufolge der Bericht, in denen "Grundsätze der Inneren Führung gravierend missachtet oder Soldaten entwürdigend behandelt", aber nicht gezielt Gefangen- oder Geiselnahmen geübt wurden. Neben den bekannten Vorkommnissen in Brandenburg, Hamm, Nienburg, Parow, Wittmund seien dabei drei weitere Verstöße genannt.
Wie das Blatt weiter schreibt, habe bei den Fallschirmjägern in Varel ein Unteroffizier Untergebene offenbar geschlagen und mit der Waffe bedroht. In Doberlug, ebenfalls bei Fallschirmjägern, sollen Rekruten mit einem Elektrohalsband für Hunde traktiert worden sein.
In einer weiteren Kategorie seien zwei Vorfälle genannt, bei denen Übungen zur Geiselbefreiung außer Kontrolle geraten seien. Neben einer Aktion auf dem Stuttgarter Flughafen, bei der drei Beteiligte verletzt wurden, sei eine Übung beim Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw aufgeführt. Dabei sei im September ein KSK-Soldat durch herumfliegende Glassplitter verletzt worden.
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