Zu Guttenberg liebt die großen Posen: Mister Afghanistan
zuletzt aktualisiert: 13.11.2009 - 18:01Kabul (RPO). Er kann gewinnbringend lächeln, ist rhetorisch deutlich begabter als viele seiner Kollegen und liebt vor allem eines: die große Pose. Bei seinem Antrittsbesuch als Verteidigungsminister in Afghanistan zeigte Karl-Theodor zu Guttenberg erneut, wie sehr er auf das Mittel Körpersprache setzt. Im eleganten Zwirn, die Hände wie ein Cowboy in die Hüften gestützt, ließ sich der 37-jährige in einer Militärmaschine fotografieren. Bei den deutschen Soldaten kam der Durchstarter aus den Reihen der CSU jedenfalls gut an: Sie empfingen ihren neuen Verteidigungsminister wie einen Popstar.
Viele Uniformierte schütteln ihm im Bundeswehr-Feldlager "Marmal" in Masar i Sharif die Hand, Soldatinnen bitten um ein gemeinsames Foto. Und zu Guttenberg gesellt sich zu ihnen, isst im schnieken schwarzen Anzug bei seiner Empfangsparty Gegrilltes oder frühstückt mit den Truppen am Morgen Würstchen und Toastbrot. Seine Botschaft: Angst? Kenn ich nicht. Dabei hatte der Verteidigungsminister selbst noch vor kurzem erklärt, dass es sich nach seiner Einschätzung um "kriegsähnliche Zustände in Teilen Afghanistans" handle.
Doch an die großen Prosen zu Guttenbergs sollte man sich in den kommenden Jahren wohl gewöhnen. Schon zu seiner Zeit als Wirtschaftsminister schlug ein Bild des Senkrechtsstarters hohe Wellen: Im März ließ er sich auf einer seiner USA-Reisen zur Opel-Rettung wie ein Hollywood-Star mit ausgebreiteten Armen auf dem Times Square fotografieren. "Wirtschaftskrise, ich kann sie meistern," schien er sagen zu wollen.
Befremden ausgelöst
Viele, die um ihren Job fürchten, fanden das weniger lustig und empfanden die Geste wohl eher als Verhöhung. Auch Fotos zu Guttenbergs, die zeigen, wie er in einem T-Shirt mit dem Aufdruck "KrisenbewälTiger" auf einer Wahlveranstaltung der Jungen Union als DJ "Poker Face" von Lady Gaga auflegt, sorgte bei manch einem für Befremden.
Noch aber haben die Posen dem Minister nicht geschadet, im Gegenteil seine Karriere geht steil bergauf. Nach nur acht Monaten als Wirtschaftsminister schnappte sich der Jurist nach der Bundestagswahl den Posten des Verteidigungsministers. Er gilt als logischer und stringenter Argumentierer, der selbst von seinen politischen Gegner Respekt erfährt - sogar von Grünen-Chefin Claudia Roth: "Ich kenne ihn gut aus außenpolitischen Zusammenhängen. Er ist ein sehr zivilisierter, sehr wohlerzogener, sehr gebildeter Mann - er ist absolut untypisch für die CSU", sagte sie Medienberichten zufolge.
Deutliche Sprache
Bei einem Überraschungsbesuch in Afghanistan fand zu Guttenberg gestern nicht nur den direkten Draht zu den deutschen Soldaten, sondern auch im Kontakt mit Afghanistans Präsident Hamid Karsai eine deutliche Sprache. Im Kampf gegen Korruption und Kriminalität wolle die internationale Gemeinschaft endlich Fortschritte sehen, unterstrich er im verbarrikadierten Präsidentenpalais. "Wir haben die Erwartung, dass geliefert wird. Es ist nun an der afghanischen Regierung, das zu tun", berichtete zu Guttenberg nach seiner Unterredung mit Karsai, die doppelt so lange dauerte wie ursprünglich geplant.
Der Minister ging sogar so weit, das weitere Engagement Deutschlands am Hindukusch von den Bemühungen der neuen afghanischen Regierung abhängig zu machen. Noch vor der für Frühjahr geplanten Afghanistan-Konferenz müsse das Land besser regiert und die verbreitete Korruption entschiedener bekämpft werden. Bis dahin erwarte Deutschland aus Kabul "belastbare Zeichen".
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