Kieler Studie vorgestellt: Mit Hartz IV mehr Geld als ein Geringverdiener
zuletzt aktualisiert: 03.02.2010 - 17:36Hamburg (RPO). Viele Hartz-IV-Empfänger haben mehr Geld auf dem Konto als Geringverdiener. Zu dieser Einschätzung kommt eine wissenschaftliche Studie, die das Kieler Institut für Weltwirtschaft am Mittwoch vorstellte.
Besonders trifft dies laut der Studie auf Ostdeutschland zu. In dem Rechenmodell der Wissenschaftler erhält etwa eine alleinerziehende Frau mit zwei Kindern im Osten mehr Geld über Hartz-IV-Leistungen als über einen Vollzeitjob etwa als Reinigungskraft. Bei dem Beispiel würden die staatlichen Leistungen den Lohn um acht Prozent übertreffen.
Besser steht demnach ein hochqualifizierter Single im Osten da, der über 45 Jahre alt ist. Bekäme er Hartz IV, erhielte er nur 40 Prozent des Geldes, das er im Dienstleistungssektor verdienen würde.
Die Autoren der Studie stellten nicht nur Rechenmodelle vor, sondern auch Möglichkeiten, mit denen solche Lohnabstände verringert werden könnten. Zugleich zeigen sie Anreize auf, die geschaffen werden könnten, um Menschen zur Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu bewegen. So nennen sie eine Erhöhung des Kindergeldes, den Ausbau einer erschwinglichen Kinderbetreuung oder die Förderung der Qualifikation und Mobilität von Hartz-IV-Empfängern.
Regelsätze für Mehrheit der Deutschen zu niedrig
Im Gegensatz zu der Studie hält die Mehrheit der Deutschen allerdings die Hartz-IV-Regelsätze für zu niedrig. Nach einer Umfrage des Magazins "Stern" sind 61 Prozent der Befragten dieser Ansicht. Nur 30 Prozent halten die Sätze für angemessen. Als zu hoch sehen es vier Prozent an.
Für fast drei Viertel der Befragten ist der Bedarf eines Kindes genauso hoch wie der eines Erwachsenen - wenn nicht sogar höher. So sind 90 Prozent der Ansicht, dass etwa eine Klassenreise für Schulkinder zum Existenzminimum gehört. 74 Prozent nennen in dieser Kategorie Sportausrüstung und Vereinsbeiträge für Kinder. An dritter Stelle liegt mit 70 Prozent ein monatlicher Familienbesuch im Kino oder Zoo.
Für die Umfrage befragte Forsa rund 1000 Personen. Anlass dafür war das mit Spannung erwartete Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts, das am Dienstag über die Höhe der Hartz-IV-Sätze entscheidet.
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