Initiative "Business und Biodiversity": Mit Konzernen gegen Artensterben
zuletzt aktualisiert: 14.02.2008 - 15:21Berlin (RPO). Im Kampf gegen das Artensterben hofft die Bundesregierung auf Hilfe aus der Wirtschaft: Mit der Initiative "Business and Biodiversity" will Umweltminister Sigmar Gabriel große Konzerne für den Umweltschutz verpflichten.
Die an der Initiative beteiligte deutsche und internationale Unternehmen erklären sich in einer "Leadership Erklärung" zur Unterstützung des Erhalts der Artenvielfalt bereit. Bisher zugesagt haben unter anderem Volkswagen, die Otto Group, Bionade, der Naturkosmetik-Hersteller Weleda, aber auch der brasilianische Holzwirtschaftskonzern Orsa.
Bei der Erklärung handelt es sich um eine freiwillige Selbstverpflichtung. Jedes Unternehmen könne "seine eigenen Ziele und Schritte" zu diesen Zweck festlegen, heißt es in dem Papier. Alle teilnehmenden Konzerne verpflichten sich jedoch unter anderem, die Folgen der Unternehmensaktivitäten für die Artenvielfalt zu prüfen sowie "messbare und realistische Ziele zum verbesserten Schutz der biologischen Vielfalt und ihrer nachhaltigen Nutzung festzulegen".
Diese Ziele sollen spätestens alle drei Jahre überprüft und angepasst werden. Darüber hinaus sollen auch Zulieferbetriebe über diese Ziele informiert und nach und nach eingebunden werden. Derzeit machten ein Dutzend Unternehmen mit, zwei Dutzend weitere hätten Interesse signalisiert, sagte Gabriel.
Der Direktor für Corporate Responsibility bei der Otto Group, Johannes Merck, verwies auf den wirtschaftlichen Nutzen eines schonenden Umgangs mit natürlichen Ressourcen. Nachhaltigkeit werde sich künftig zunehmend zum Verkaufsargument entwickeln, prognostizierte er. Durch das Engagement für den Arten- und Klimaschutz und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen könne ein Konzern seinen Kunden die Botschaft unbesorgten Konsums vermitteln, da der Konsum ja nicht zum Verlust etwa der Artenvielfalt beitrage.
Die Otto Group engagiert sich Merck zufolge bereits sei Anfang der 90er Jahre für eine nachhaltigere Wirtschaft. Als Beispiel führte er die Klimaschutzbemühungen des Otto-Konzerns an, die mit dem Engagement gegen die Erderwärmung ebenfalls einen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt leisteten. Auch das 2005 gestartete Projekt "Cotton made in Africa" mache sich für Nachhaltigkeit stark, indem es gezielt Baumwolle von afrikanischen Bauern nachfrage, die sich ansonsten am Weltmarkt nicht durchsetzen könnten.
"Business and Biodiversity" ist eine der Initiativen, mit denen das Bundesumweltministerium die am 19. Mai in Bonn beginnende 9. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt vorbereitet. Gabriel forderte am Donnerstag, auf der Bonner Konferenz müsse ein klares Verhandlungsmandat für den Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 erzielt werden.
Ursprünglich war 2002 beim Gipfel von Johannesburg beschlossen worden, bis 2010 das Artensterben und den Verlust von Lebensräumen entscheidend zu verringern. Gabriel bekräftigte jedoch, von diesem Ziel seien die Vertragsstaaten der Konvention über die biologische Vielfalt weit entfernt. Derzeit sterbe alle 20 Minuten weltweit eine weitere Tier- oder Pflanzenart aus.
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