| 18.31 Uhr

Kaum Mitgefühl für die Angehörigen
Nach dem Terroranschlag von Berlin hat der Staat versagt

Nach Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt: Fortgesetztes Staatsversagen
Justizminister Heiko Maas und Kurt Beck bei der Vorstellung des Berichts. FOTO: dpa, fis exa
Meinung | Berlin. Überforderte Behörden, unsensible Beamte, ausbleibende Hilfe: Bei der Betreuung der Verletzten und Hinterbliebenen des Berliner Terroranschlags ist viel schief gelaufen. Es ist allerhöchste Zeit, dass sich der Staat auf ähnliche Situationen besser vorbereitet. Von Birgitt Marschall

Ein Jahr nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wird erneut ein geradezu unerträgliches Staats- und Behördenversagen deutlich. Nicht nur hat der Staat diesen verheerenden Anschlag, bei dem elf unschuldige Menschen zu Tode kamen und 100 Menschen verletzt wurden, trotz einer Vielzahl von Hinweisen auf den Attentäter Anis Amri nicht verhindert.

Der Staat hat danach auch noch viel zu wenig Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Respekt gegenüber den Opfern gezeigt, wie der nun vorgelegte Abschlussbericht des Opferbeauftragten Kurt Beck zeigt. Es kam zu teils empörenden Vorkommnissen.

So wurden nach der Obduktion der Toten Rechnungen an die Hinterbliebenen verschickt - sogar mit Mahnhinweisen. Manche der Toten wurden zudem erst drei Tage später identifiziert, Angehörige blieben so quälend lange in Ungewissheit. Für einen reifen Rechtsstaat ist so etwas unbegreiflich.

Kaum zu erklären

Dass sich die Bundeskanzlerin erst kommende Woche mit Hinterbliebenen trifft, ist ein spätes Eingeständnis der eigenen Fehler. Es wird die Verbitterung der Opferfamilien, die ihr einen offenen Protestbrief geschrieben hatten, kaum lindern. Warum Angela Merkel hier so lange völlig untätig blieb, ist kaum zu erklären.

Auch die staatliche Unterstützung von 10.000 Euro für nahe Angehörige entspricht nicht den höheren Standards in anderen, vergleichbaren Ländern wie Frankreich. Und erst nach Becks Empfehlung ist die Bundesregierung bereit, die Hilfe aufzustocken. Das kommt zu spät, aber immerhin, es kommt.

Richtig auch, dass die Regierung Becks Rat folgt und zentrale Anlaufstellen für Terroropfer in Bund und Ländern schafft. Angesichts der Bedrohung durch den islamistischen Terror könnte dieser Anschlag nicht der letzte in Deutschland gewesen sein. Es ist allerhöchste Zeit, dass der Staat darauf besser vorbereitet ist.

(mar)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Nach Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt: Fortgesetztes Staatsversagen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.