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Nach IS-Anschlag in Frankreich
Union möchte Identität aller Flüchtlinge prüfen lassen

Tödliche Geiselnahme in Kirche in Frankreich
Tödliche Geiselnahme in Kirche in Frankreich FOTO: afp
Saint-Etienne-Du-Rouvray. Zwei Täter mit Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat dringen in der Normandie in eine Kirche ein und schneiden einem 86-jährigen Priester die Kehle durch. Von Gregor Mayntz

Frankreich ist erneut von einem islamistischen Terroranschlag getroffen worden. Zwei Täter drangen in die Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray ein und töteten während eines Gottesdienstes den 86-jährigen katholischen Priester. Die Polizei erschoss die Männer beim Verlassen der Kirche. Nach Angaben von Staatspräsident François Hollande bekannten sich die Angreifer zum Islamischen Staat (IS), auch eine IS-nahe Agentur meldete, die beiden "IS-Soldaten" seien dem Aufruf gefolgt, "die Staaten der Kreuzfahrer-Koalition" anzugreifen.

Einer der Täter trug eine Fußfessel

Einer der Angreifer stand in einem laufenden Ermittlungsverfahren wegen Terrorverdachts unter Aufsicht der Justiz und trug eine elektronische Fußfessel. Der 19-jährige Adel K. habe 2015 zweimal versucht, nach Syrien zu reisen, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins. Er wurde je einmal in Deutschland und in der Türkei gestoppt und festgenommen. In Frankreich wurde daraufhin ein Anklageverfahren eröffnet.

Neben dem Priester hatten die Islamisten zwei Nonnen und zwei Kirchgänger als Geiseln genommen. Eine der Geiseln sei lebensgefährlich verletzt, dem Priester die Kehle durchgeschnitten worden, hieß es aus Polizeikreisen. Papst Franziskus äußerte sich erschüttert angesichts des "Schmerzes und des Gräuels dieser absurden Gewalt". Hollande berief ein Treffen mit Vertretern der Glaubensgemeinschaften ein. "Was diese Terroristen wollen, ist, uns zu spalten", sagte Hollande.

Zwölf Tage zuvor hatte ein anderer Islamist in Nizza mit einem Lastwagen 84 Menschen getötet. In den folgenden Tagen wurden in Würzburg und Ansbach vermutlich islamistisch motivierte Anschläge verübt. Zu Beginn einer fünftägigen Kabinettsklausur kündigte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer verstärkte Schutzmaßnahmen des Staates an. In der Frage der Sicherheit werde Bayern nun "sehr, sehr entschlossen" vorgehen.

Bayerische Flüchtlingsunterkünfte besser kontrollieren

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann will nun Flüchtlingsunterkünfte besser kontrollieren lassen. Die im Zimmer des Selbstmordattentäters von Ansbach gefundenen Materialien hätten für den Bau einer weiteren Bombe ausgereicht. Es könne nicht sein, dass in einer staatlich finanzierten Unterkunft Material zum Bombenbau gesammelt werde und niemand darauf schaue. Hinzukommen müssten die erleichterte Abschiebung straffällig gewordener Asylbewerber sowie eine verschärfte Grenzkontrolle. Bereits dort müsse die Polizei die Identität klären. Gelinge dies nicht, müssten die Menschen vorerst an der Grenze bleiben. Laut Bundespolizei fehlen den im Grenzraum aufgefundenen Migranten zu 77 Prozent die erforderlichen Personaldokumente.

Auch die Abschiebung nicht anerkannter Flüchtlinge in Krisengebiete dürfe kein Tabu sein, erklärte Herrmann. Seehofer stellte klar, dass die Rückführung in Kriegsgebiete nicht infrage komme. Die Union fordert eine sofortige flächendeckende Überprüfung aller Flüchtlinge. "Wir müssen so schnell wie möglich wissen, wer sich in Deutschland aufhält", sagte der Fraktionsvize Stephan Harbarth. Wo es noch keine Identitätsüberprüfung gegeben habe, sei das jetzt "unverzüglich" nachzuholen. Dazu sollten die Datensätze des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mit denen der Sicherheitsbehörden abgeglichen werden.

Zwei weitere Bluttaten gab es gestern ohne Terrorbezug: In Japan erstach ein ehemaliger Pfleger mindestens 19 Behinderte. In Berlin tötete ein Patient einen Arzt in einem Klinikum und erschoss sich selbst.

Quelle: RP
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