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Namibia
Regierung will sich für Kolonialverbrechen entschuldigen

Namibia: Bundesregierung will sich für Kolonialverbrechen entschuldigen
Als Deutsch-Südwestafrika zählte Namibia von 1884 bis 1915 als deutsche Kolonie FOTO: Shutterstock.com/ Grobler du Preez
Berlin . Schon bald könnte sich die Bundesrepublik offiziell für die deutschen Kolonialverbrechen im heutigen Namibia entschuldigen. Deutsche Truppen hatten Anfang des 20. Jahrhunderts einen Aufstand brutal niedergeschlagen. Es gab Zehntausende Tote.

Am Ende der Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit werde es "eine Entschuldigung von der deutschen Seite" für die Ereignisse ab 1904 geben, sagte der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz am Mittwoch in Berlin. Damals war ein Aufstand der Stämme Herero und Nama brutal niedergeschlagen worden - mindestens 60.000 Herero und 10. 000 Nama wurden getötet.

Delegationen beider Länder arbeiteten derzeit an einem Text, der von beiden Parlamenten verabschiedet werden solle, sagte Polenz. Er äußerte die Hoffnung, dass die Verhandlungen noch in diesem Jahr beendet werden könnten, damit das Parlament noch in dieser Legislaturperiode abstimmen könne. Besprochen würden auch "Projekte einer gemeinsamen Erinnerungskultur", sagte der CDU-Politiker.

"Lange und schmerzhafte" gemeinsamen Geschichte

Polenz ist seit Ende vergangenen Jahres Sonderbeauftragter der Regierung für die Aufarbeitung der gemeinsamen Kolonialvergangenheit und reiste in dieser Funktion bereits im Dezember in die namibische Hauptstadt Windhoek. Der frühere Botschafter Zedekia Ngavirue hielt sich nun mehrere Tage lang mit einer Delegation in Berlin auf, dabei standen auch Gespräche mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) auf dem Programm.

Ngavirue sprach in Berlin von einer "langen und schmerzhaften" gemeinsamen Geschichte, die Namibia und Deutschland verbinde. Nun sei es aber gelungen, auf der Basis freundschaftlicher Beziehungen einen Rahmen für einen umfassenden Verhandlungsprozess zur Aufarbeitung abzustecken.

Deutschland zählte das heutige Namibia von 1884 bis 1915 unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika zu seinen Kolonien. Als die Herero 1904 einen Aufstand begannen und mehr als hundert Deutsche getötet wurden, ordnete General Lothar von Trotha die Vernichtung des Stammes an. Bundespräsident Norbert Lammert (CDU) bezeichnete die Verbrechen im Juli 2015 als "Völkermord".

(crwo/AFP)
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