Originalpläne des KZ Auschwitz übergeben: Netanjahu dankt für ein "Geschenk der Wahrheit"
zuletzt aktualisiert: 27.08.2009 - 14:36Berlin (RPO). Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat bei seinem Deutschlandbesuch mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier über den stockenden Friedensprozess im Nahen Osten gesprochen. Für den Mittag steht ein Gespräch mit Angela Merkel auf dem Programm. Am Vormittag nahm Netanjahu originale Bauskizzen des Konzentrationslagers Auschwitz entgegen.
Die historischen Dokumente sollen ab Januar 2010 in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem ausgestellt werden. Netanjahu sprach von einem "Geschenk der Wahrheit". Es gebe immer noch Menschen, die den Holocaust leugneten, sagte er in seiner Dankesrede. "Lasst sie nach Jerusalem kommen und sich diese Pläne anschauen, die Pläne für die Todesfabrik." Die Pläne sind ein Geschenk der "Bild"-Zeitung, die die Dokumente nach eigenen Angaben von einem Privatmann erstanden hat.
Pläne von Auschwitz sind bereits in mehreren Geschichtsbüchern abgedruckt worden. Die meisten Originale waren nach der Befreiung des größten Vernichtungslagers der Nazis 1945 durch die Rote Armee nach Russland gebracht worden und liegen in den dortigen Archiven unter Verschluss. In deutschen Archiven oder Museen gibt es solche Dokumente bisher nicht.
Die meisten Skizzen sind im Maßstab 1:100 gehalten. Sie zeigen unter anderem das Eingangstor des Lagers und den Grundriss einer von den Nazis so genannten "Entlausungsanlage" mit Vorräumen, Schleusen und Gaskammern. Die Pläne wurden teilweise von den Häftlingen selbst angefertigt. Einige Dokumente tragen die Signaturen von SS-Chef Heinrich Himmler und Lagerkommandant Rudolf Höss.
Die 29 Skizzen dokumentieren Errichtung und Ausbau des Konzentrationslagers Auschwitz in den Jahren 1941 und 1942. Ihre Herkunft ist unklar. "Bild" hat die Dokumente im vergangenen Jahr von einer Privatperson erhalten, die behauptet, sie bei einer Wohnungsentrümpelung gefunden zu haben. Nach Angaben des Verlags ist dies aber kaum glaubhaft. Einiges weise darauf hin, dass sich die Skizzen schon einmal in einem Archiv befunden haben - möglicherweise in der Abteilung 9/11 der Stasi, die Dokumente aus der Nazi-Zeit zusammentrug.
Merkel: Zeitfenster nutzen
Am Morgen war Netanjahu mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zusammengekommen. Steinmeier hob nach Angaben seines Ministeriums die Bedeutung des Wiedereinstiegs in substanzielle israelisch-palästinensische Verhandlungen hervor und betonte, beide Seiten müssten in diesem Zusammenhang konkrete Schritte unternehmen. Netanjahu informierte über den aktuellen Stand der Bemühungen um Fortschritte im Nahostfriedensprozess.
Für den Mittag steht ein Treffen mit Merkel auf dem Programm. Wie schon beim Austausch mit Steinmeier wird der so genannte Friedensprozess voraussichtlich den größten Teil des Gesprächs einnehmen. Die Kanzlerin setzt sich dafür ein, dass das bestehende Zeitfenster für die Wiederaufnahme des Prozesses genutzt wird, der in eine Zwei-Staaten-Lösung münden soll. In dem Zusammenhang tritt die Bundesregierung dafür ein, dass der israelische Siedlungsbau im Westjordanland gestoppt wird.
"Ich möchte, dass der Friedensprozess, die Gespräche wieder in Gang kommen", sagte Merkel vor ihrem Treffen mit Netanjahu in einem N24-Interview. Mit dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Barack Obama seien die Chancen gestiegen, zu einer Zwei-Staaten-Lösung zu kommen.
Besuch im Haus der Wannsee-Konferenz
Zum Abschluss seines Besuchs wird Netanjahu das Haus der Wannseekonferenz besuchen, in dem die Nationalsozialisten 1942 die Vernichtung der europäischen Juden beschlossen. Berlin ist die zweite Station seiner Europa-Reise. Zuvor war er in London und traf dort Premierminister Gordon Brown und den amerikanischen Nahostgesandten George Mitchell. Am Mittwochnachmittag war Netanjahu in Berlin eingetroffen und war von Bundespräsident Horst Köhler im Schloss Bellevue empfangen worden.
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