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Kommunen melden Qualifizierungsbedarf: Neue Regeln für Tagesmütter

VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 12.10.2009 - 19:43

Düsseldorf (RP). Jedes zehnte Kind unter drei Jahren wird in NRW außerhalb der Familien betreut. Weil es an Kindergartenplätzen mangelt, weichen Eltern auf Tagesmütter aus. Die sollen durch ein bundesweites Programm besser ausgebildet werden. Die Suche nach einer Tagesmutter bleibt aber schwierig.

60 Prozent der Mütter wollen teilzeit arbeiten, wenn ihre Kinder zur Schule gehen.  Foto: AP, AP
60 Prozent der Mütter wollen teilzeit arbeiten, wenn ihre Kinder zur Schule gehen. Foto: AP, AP

Wenn Maglena von Bönninghausen ihre Tochter Sophie einmal in der Woche zur Tagesmutter bringt, weiß die 41-Jährige, dass das Mädchen für fünf Stunden versorgt ist. Aber die zweifache Mutter weiß auch, dass es dort nur eine Betreuerin gibt, dass manchmal nur ein Zimmer für die Kleinen zur Verfügung steht, dass weniger Kinder zum Spielen da sind als in einem Kindergarten.

"So bleibt immer auch ein bisschen Sorge", sagt die Duisburgerin – und spricht damit den Eltern von 16.245 unter Dreijährigen aus der Seele, die in NRW laut Landesfamilienministerium von Tagesmüttern und -vätern betreut werden. Genauer gesagt: betreut werden müssen.

66.824 Kindergartenplätze für unter Dreijährige gibt es laut Landesregierung in NRW – für rund 455.000 Kinder in dieser Altersgruppe. Will das Land bis 2013 Betreuungsplätze für jedes dritte Kind unter drei Jahren schaffen, kommt es gar nicht umhin, Tagesmütter stärker einzubinden.

Schon jetzt haben 61 Kommunen dem Landesfamilienministerium Qualifizierungsbedarf für 1353 Tagesmütter gemeldet. Ob eine Tagesmutter dann zwölf oder 160 Ausbildungsstunden nachweisen muss, ehe sie bis zu fünf Kinder betreuen darf, bestimmt in NRW letztlich jede Kommune selbst.

Lange Suche nach guten Tagesmüttern

Entsprechend lang dauert oft die Suche nach einer guten Tagesmutter, entsprechend schwer hat sich auch Maglena von Bönninghausen getan, eine vertrauenswürdige Person zu finden. Sie hat sechs Tagesmütter interviewt und besucht, ehe sie eine fand, der sie ihre Tochter überlassen wollte.

"Eine Tagesmutter wollte nur bis 15 Uhr betreuen, eine hatte keine Sicherheitsgitter an den Treppen, eine hatte viel ungesichertes Glas im Haus stehen", erzählt sie. "Und man will ja nicht den ganzen Tag Angst haben – oder das Gefühl, dass das Kind Versuchskaninchen ist für Frauen, die den Job einmal ausprobieren wollen."

160-Stunden-Kurs zur Qualifizierung

Die Qualität der Betreuung durch Tagesmütter soll nun durch ein Programm des Bundes und der Bundesarbeitsagentur verbessert werden. 59 Standorte in NRW nehmen teil, bieten Interessierten unter anderem an, sich in einem 160-Stunden-Kurs zur Tagesmutter ausbilden zu lassen.

In Mönchengladbach zum Beispiel sollen Ende des Monats zwölf neue Tagesmütter ihre Ausbildung beginnen. Der Kurs basiert auf dem Curriculum des Deutschen Jugendinstituts, mit dem auch der Bundesverband für Kindertagespflege arbeitet. Der Verband hat seit 2004 in NRW 2485 Personen qualifiziert. "Trotzdem besteht noch erheblicher Verbesserungsbedarf", betont Geschäftsführer Klaus-Dieter Zühlke.

Umso mehr freut sich Simone Bruchwitz, für ihre zweijährige Tochter Seraphina eine Tagesmutter gefunden zu haben, die ausgebildete Erzieherin ist. "Ein absoluter Glücksfall", sagt die 33-jährige Düsseldorferin. "Bei ihr lernt Seraphina jede Menge Lieder, sie lernt Kuchen zu backen, sie verbringt ganze Tage im Wald oder am Strand. Ich vertraue dieser Frau. Nur deshalb kann ich ab dem Punkt, an dem ich Seraphina morgens abliefere, umschalten auf den Job", sagt Simone Bruchwitz.

Die Transaktionsmanagerin in einem Kölner Immobilienkonzern ist Mitglied im Verband Berufstätiger Mütter. Auch sie hat sich ihre Tagesmutter genau angesehen, ehe sie ihr ihre Tochter anvertraut hat. In der ersten Woche hat sie Seraphina regelmäßig begleitet. Immerhin könnte es sein, dass das Mädchen bei ihrer Tagesmutter bleibt, bis sie in die Schule kommt.

Eigentlich sollte Seraphina in sieben Monaten, wenn sie drei wird, in den Kindergarten gehen. Fünf Bewerbungen hat Simone Bruchwitz bereits laufen. Angesichts der eingeschränkten Öffnungszeiten und der Betreuungsschlüssel in den Kindergärten ist es jedoch alles andere als garantiert, dass sie für Seraphina einen geeigneten Platz bekommt.

Quelle: RP

 
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