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Weitere Funktionen
Neuer Anlauf für die Gesundheitskarte

Fakten: Die Fakten zur Gesundheitskarte
Fakten: Die Fakten zur Gesundheitskarte FOTO: AP
Berlin. Ab November testen 1000 Mediziner und Kliniken die erweiterte Chipkarte, unter anderem in Düsseldorf, Mönchengladbach, Solingen und Duisburg. Zunächst geht es nur um Namen, Alter und Geschlecht. Von Eva Quadbeck

Die neue elektronische Gesundheitskarte, die 70 Millionen gesetzlich Versicherte seit Januar besitzen, soll endlich weitere Funktionen erhalten. In einem ersten Schritt sollen die Stammdaten der Versicherten, also etwa Name, Alter und Geschlecht auf der Karte gespeichert werden. Damit können die Arztpraxen überprüfen, ob der Versicherte, der vor ihnen steht, tatsächlich bei der angegebenen Krankenkasse versichert ist.

Es hatte immer wieder Missbrauch von Karten gegeben; Leistungen bei Ärzten in Kliniken und bei Arzneimittelverordnungen wurden erschlichen. Der Schaden wird auf eine knappe Milliarde Euro pro Jahr geschätzt. Auch das neue Foto auf der Karte bringt nur bedingt Sicherheit.

Der Check der Stammdaten soll unter anderem in NRW in einzelnen Regionen erprobt werden. Ab November sollen insgesamt 1000 Ärzte, Zahnärzte und Kliniken mit Lesegeräten ausgestattet sein und in die Testphase gehen. Erprobungsteilnehmer finden sich in Düsseldorf, Mönchengladbach, Solingen, Duisburg, Bochum, Köln, Wuppertal, Essen, Rheine, Gelsenkirchen und Bielefeld.

32 Dinge, die sich 2015 ändern

Gröhe: Ein "Sportwagen, der in der Garage auf seinen Einsatz lauert"

Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat nun ein E-Health-Gesetz auf den Weg gebracht, das mit der Festlegung von Straf- und Bonuszahlungen Fristen festsetzt. Demnach sollen die verschiedenen Funktionen der Gesundheitskarte stufenweise bis Mitte 2018 in Gang gesetzt werden. Gröhe spricht bei der Karte von einem "Sportwagen, der in der Garage auf seinen Einsatz lauert". Theoretisch kann sie viel mehr: Die Versicherten sollen beispielsweise einen Notfalldatensatz, Röntgenbilder, verschriebene Medikamente und sogar ihre gesamten Fall- oder Patientenakten auf der Karte speichern lassen können. Auch Arztbriefe sollen künftig digital übermittelt werden.

Der Patient soll selbst steuern können, wie gläsern er wird. "Der Patient wird immer bestimmen können, wohin seine digitale Fallakte geht und wer darauf Zugriff hat", sagt Arno Elmer, Hauptgeschäftsführer der Gesellschaft "Gematik". Die "Gematik" wird von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert und ist für den Aufbau der Telematikinfrastruktur verantwortlich.

Schon heute gibt es wohl keine Arztpraxis, keine Apotheke und keine Klinik mehr ohne Computer. Es fehlt aber an Datenautobahnen, an sicheren elektronischen Netzwerken, um gezielt Daten auszutauschen. Dies, so die Hoffnung seit mehr als zehn Jahren, soll sich mit der Telematikinfrastruktur der "Gematik" ändern. An das System sollen alle Akteure im Gesundheitswesen angeschlossen werden: Haus-, Fach- und Zahnärzte, Kliniken, Apotheken, Krankenkassen, Reha-Zentren und andere Heilberufe. Das dem Innenministerium untergeordnete Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik prüft die eingesetzte Technik der Karte.

Auch finanzielle Anreize für Ärzte

Die Ärzte haben sich bereits ein eignes Datennetz gebaut, an das bislang rund 60.000 von den 129.000 niedergelassenen Medizinern in Deutschland angeschlossen sind. Auf diesem Weg übertragen die Ärzte beispielsweise ihre Abrechnungsdaten an die Kassenärztlichen Vereinigungen.

Mit dem neuen E-Health-Gesetz erhalten die Ärzte auch finanzielle Anreize, die künftige Datenautobahn der "Gematik" zu nutzen. Der elektronische Entlassbrief soll zwischen Mitte 2016 und Mitte 2018 mit je 50 Cent zusätzlich vergütet werden. Für den elektronischen Arztbrief gibt es in den Jahren 2016 und 2017 pro Schreiben 55 Cent.

Quelle: RP
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