Geschäftsführer bei Duisburgs MSV-Präsident: Neuer Job für Ex-Minister Wittke
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 30.05.2009 - 10:57(RP). Weil er zu schnell gefahren war, musste Oliver Wittke als Verkehrsminister zurücktreten. Jetzt wechselt der 42-Jährige als Geschäftsführer zur Baufirma des Duisburger MSV-Präsidenten Walter Hellmich. Sein Amt als CDU-Wirtschaftssprecher will Wittke nicht aufgeben. Funktioniert das?
Die Haupttribüne der MSV-Arena in Duisburg. Am Tor zum Spielfeld hängt ein Schild. "Zutritt verboten" steht darauf. Ein Hinweis, der nicht für den Mann in dem braunen Anzug gilt. Der gehört schließlich jetzt zur Geschäftsführung. "Gehen Sie vor, Herr Wittke", sagt Walter Hellmich. "Wir machen ein Foto im Mittelkreis."
Oliver Wittke ist gut gelaunt. Dies ist schließlich ein besonderer Tag. Zum ersten Mal zeigt sich Wittke mit seinem neuen Arbeitgeber. Walter Hellmich, Firmenboss und Präsident des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg, holt das frühere Kabinettsmitglied als Geschäftsführer in sein Bauunternehmen. "Am Dienstag ist sein erster Arbeitstag", sagt der 65-Jährige und lächelt. "Ich habe mich auf dem Transfermarkt umgesehen, und Wittke war frei."
Hellmich Gruppe
- Chef: Walter Hellmich, 65, zwei Kinder
- Geschäftsführung: 15 Mitglieder, darunter Hellmichs Sohn Marc; gegündet 1932; 1000 Mitarbeiter
- Schwerpunkte: Tief-, Straßen- und Brückenbau; Bau und Betrieb von Pflege- und Seniorenheimen
- Sportstätten: u.a. MSV-Arena, Arena auf Schalke, neubau Aachener Tivoli, Millerntor St. Pauli
Rücktritt nach Tempo 109 in geschlossener Ortschaft
Der CDU-Politiker nickt. Im Februar war der Gelsenkirchener als Verkehrsminister zurückgetreten. Wittke war in einer geschlossenen Ortschaft mit Tempo 109 geblitzt worden. Als herauskam, dass er nicht zum ersten Mal seinen Führerschein los war, reichte er seinen Rücktritt ein.
Eine Zäsur. Wittke blieb zwar im Landtag, hatte aber plötzlich sehr viel Zeit. "Vor dem Rücktritt hatte ich 16-Stunden-Arbeitstage. Nun war alles anders. Ich habe gekocht, gewaschen, im Garten gearbeitet." Gut für das Familienleben. Aber Wittke wollte nicht auf Dauer ein Hausmann mit Mandat bleiben. Denn sein Verbleib im Parlament ist nach der nächsten Wahl keineswegs sicher.
Den Direktwahlkreis in Gelsenkirchen wird Wittke kaum gewinnen. Auch ein guter Platz auf der Landesliste der CDU garantiert nicht den Einzug ins Parlament. In dieser Legislaturperiode kam der Vater von zwei Söhnen erst 2007 als Nachrücker in den Landtag.
Hellmich: "Bei uns stimmt die Chemie"
Dann kam der Anruf von Walter Hellmich. Der Unternehmer und Wittke kennen sich seit der Zeit, als Hellmich die Arena auf Schalke baute. "Bei uns hat die Chemie gestimmt", sagt der MSV-Chef. "Wir sind beide gradlinig und zielstrebig. Politik spielt keine Rolle. Dafür habe ich mich nie interessiert."
Wittke soll in dem Unternehmen als Projektentwickler arbeiten. Seine erste Aufgabe: die Betreuung von Stadienneubauten für den Afrikacup in Algerien. Auch der Aufbau einer neuen Paketdienstlogistik für Osteuropa soll in seine Zuständigkeit fallen. Keine einfachen Aufgaben. "Ich freue mich darauf, meinen Horizont zu erweitern", sagt der Ex-Minister.
Der Wechsel zu Hellmich bedeutet nicht, dass Wittke seine politischen Ambitionen fallen lässt. "Ich bleibe weiterhin Abgeordneter und behalte mein Amt als wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion", bekräftigt Wittke. Auch als stellvertretender Landesvorsitzender will er der Union erhalten bleiben. Zwei Jobs gleichzeitig – wie soll das funktionieren?
"Das klappt", sagen der Chef und sein Angestellter fast gleichzeitig. "Früher habe für einen Job 200 Prozent gegeben, also kann ich zwei Jobs zu 100 Prozent erledigen", erklärt Wittke. Gibt es denn keine Interessenskonflikte zwischen Politik und der neuen Tätigkeit ? "Nein", sagt der Ex-Minister. "Das wäre etwas anderes, wenn ich zu einem kommunalen Unternehmen gewechselt wäre." Als Minister wurde Wittke im Audi A 8 chauffiert. Nun sitzt er selbst am Steuer seines Dienstwagens – Mercedes-E-Klasse. "Mit der kommt man auch gut voran", sagt Hellmich augenzwinkernd. Wittkes Führerschein-Affäre habe ihn nicht gestört. "Im Gegenteil. Ich bin selbst kein Heiliger."
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