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Dirk Niebel Panorama, AP 2010-0308
  Foto: AP, AP
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Nach tödlichem Gefecht: Niebel fordert mehr Rückhalt für Afghanistan-Einsatz

zuletzt aktualisiert: 04.04.2010 - 10:39

Berlin/Kundus (RPO). Nach dem tödlichen Gefecht mit Taliban-Kämpfern nahe Kundus hat Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel mehr Rückhalt in der Bevölkerung für den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan gefordert. Das Gefecht zeige, wie gefährlich die Situation für die Soldaten dort sei. Ein Ex-Generalinspekteur wirft der Bundesregierung unterdessen schwere Fehler vor.

"Sie wünschen sich mehr Verständnis dafür, dass sie sich, manchmal auch präventiv, wehren müssen", sagte der FDP-Politiker nach einem Gespräch mit Bundeswehrsoldaten in Afghanistan der "Bild am Sonntag".

Die Soldaten verstünden nicht, wenn sie sich dafür in der deutschen Öffentlichkeit rechtfertigen müssten oder sogar strafrechtlich verfolgt würden, betonte der Minister, der in Afghanistan Wiederaufbauprojekte besucht hatte, die mit deutscher Hilfe finanziert werden. Am Sonntag wollte Niebel dem Blatt zufolge in Camp Kundus an einer Trauerfeier für die drei getöteten Soldaten der Luftlandebrigade 31 aus Seedorf in Niedersachsen teilnehmen und anschließend die Särge mit dem Airbus der Bundesregierung in die Heimat überführen.

Die vier Soldaten, die bei dem Gefecht schwer verletzt worden waren, sind unterdessen wieder in Deutschland. Eine Maschine mit den Verletzten an Bord landete am Samstagabend kurz vor 20.00 Uhr auf dem Militärflughafen Köln-Wahn, wie ein Sprecher der Bundeswehr bestätigte. Die Männer sollten anschließend ins Bundeswehrkrankenhaus Koblenz gebracht werden.

Insgesamt acht Soldaten waren am Freitag bei stundenlangen Gefechten mit Aufständischen nahe Kundus verletzt worden, vier davon schwer. Drei ihrer Kameraden wurden getötet. Die Soldaten hatten den Bau einer Brücke und eine Minenräumung vorbereitet, als aus den umliegenden Häusern das Feuer eröffnet wurde.

Ex-Generalinspekteur wirft Bund Ignoranz vor

Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, General Harald Kujat, warf der Bundesregierung vor, aus dem Luftangriff von Kundus nicht die nötigen Lehren gezogen zu haben. Schuld seien ein "Unverständnis über die Bedingungen vor Ort und eine Ignoranz der Notwendigkeiten für die Streitkräfte", sagte Kujat der "Welt am Sonntag". Kujat war von 2000 bis 2002 Generalinspekteur.

Für ihn habe bereits der Luftschlag vom 4. September ganz klare Defizite offen gelegt. "Unsere Soldaten sind dort nur in diese Lage geraten, weil sie - wie so oft - nicht mit den nötigen modernen Aufklärungssystemen ausgerüstet sind", sagte Kujat, der von 2002 bis 2005 auch Vorsitzender des Militärausschusses der Nato war. "Die Taliban kennen das Gelände, sie sind überlegen. Das muss man doch irgendwie ausgleichen." Um die Handlungen des Gegners besser einschätzen zu können, sei auch ein vernünftiges Streitkräfte-, Führungs- und Informationssystem erforderlich. Nach Aussagen der Industrie seien wesentliche Komponenten dafür bereits fertig - "nur die Ministerialbürokratie tut nichts".

Weiter kritisiert Kujat, dass die deutschen Einsatzkräfte nicht in der notwendigen Zahl in Afghanistan stationiert seien. Die neue Mandatsobergrenze von 4500 plus 500 Mann Reserve betrachtet er als "Koalitionskompromiss, der nicht dem tatsächlichen operativen Bedarf entspricht". Nach dem jüngsten Bundestagsbeschluss erkenne er keine wirkliche neue Strategie. Mehr Ausbildung und weniger Kampftruppen, das sei der falsche Ansatz.

Bundeswehr verabschiedet sich von getöteten Soldatem

Die Bundeswehrsoldaten im nordafghanischen Kundus haben sich am Sonntag von ihren drei getöteten Kameraden verabschiedet. Tief betroffen verharrten sie im Feldlager vor den aufgebahrten Särgen. Trauerworte sprach Brigadegeneral Frank Leidenberer sowie für die Bundesregierung Dirk Niebel. Die Särge wurden anschließend nach Termes geflogen. Am späten Nachmittag werden die sterblichen Überreste der drei Gefallenen in Deutschland erwartet.

Seit Beginn der Isaf-Mission Anfang 2002 haben damit 39 deutsche Soldaten in Afghanistan ihr Leben verloren. Derzeit sind rund 4500 deutsche Soldaten an den Standorten Masar-i-Sharif, Kundus und Faisabad im Einsatz sowie in der Hauptstadt Kabul.

Am Sonntagnachmittag wollten Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Generalinspekteur Volker Wieker in Bonn Stellung zu den Gefechten nehmen.

Quelle: apd/sdr

 
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