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"Fang-Prämien" für Patienten: Niemand kennt das wahre Ausmaß

VON DANIEL GEHRMANN - zuletzt aktualisiert: 03.09.2009 - 12:37

Berlin (RPO). Angesichts der Empörung über "Fangprämien" im Gesundheitswesen versuchen Kliniken und Ärzte nun, die Patienten zu beruhigen. Solche illegalen Zahlungen seien die Ausnahme, versicherten die Deutsche Krankenhausgesellschaft und Ärzteverbände. Wie groß das Problem aber wirklich ist, weiß niemand. 

Theoretisch ist alles klar: Patienten entscheiden, in welches Krankenhaus sie gehen wollen. Der Arzt kann ihnen eine Empfehlung geben, aber der Patient hat das letzte Wort. In der Praxis gibt es offenbar Ärzte, die von Kliniken Geld dafür verlangen, dass sie Patienten dorthin überweisen. Wie groß das Problem tatsächlich ist, lässt sich deshalb schwer beurteilen, weil die Gelder in einem Graubereich fließen.

Das Berufsrecht verbietet es, Gelder für die Einweisung von Patienten zu nehmen oder zu zahlen, erklärt die Pressesprecherin des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). "Es gibt aber einen Graubereich." Häufig fließen die Prämien nämlich über so genannte Serviceverträge. Und die sind an sich zulässig. So darf (und soll) ein Arzt zum Beispiel gewisse Voruntersuchungen übernehmen, die er dem Krankenhaus dann in Rechnung stellen darf.

"Woher kommt das Geld?"

Wenn Ärzte sich dafür bezahlen lassen, dass sie Patienten an ein bestimmtes Krankenhaus überweisen, kann das Vertrauen in den Mediziner untergraben werden. "Der Patient kann das Gefühl haben, es gehe nicht um eine gute medizinische Versorgung für ihn, sondern in erster Linie um die finanzielle Versorgung von Ärzten und Kliniken", sagt Marini vom GKV-Spitzenverband.

Bei den Krankenhäusern stelle sich die Frage, wo das Geld für solche Prämien herkomme, wenn die Kliniken ständig über finanzielle Engpässe klagten. Für die Krankenversicherungen gehe es um die Qualität der Versorgung: "Wenn so viel Geld vorhanden ist, das zwischen Ärztegruppen hin und hergeschoben wird, stellt sich die Frage, ob Ärztehonorare und Fallpauschalen für Kliniken zu hoch bemessen sind", meint Marini.

Wieviel Geld da fließt und wieviele Ärzte betroffen sind, können weder die GKV noch die Kassen beziffern. Faktisch gibt es keine Handhabe gegen die illegalen Prämien-Zahlungen. Theoretisch könnte die Ärztekammer über das Berufsrecht gegen Ärzte vorgehen, die Prämien empfangen, während die Aufsicht der Kliniken, die durch die Länder erfolgt, gegen Kliniken einschreiten könnte, die zahlen. Das Problem ist, solche Zahlungen nachzuweisen. "Es gibt keine Beweise, mit denen man solche Prämienzahlungen belegen könnte", erklärte ein Kassenvertreter.

"Kein konkreter Fall bekannt"

Die Bundesärztekammer bestreitet, niedergelassene Ärzte kassierten "in großem Umfang" von Krankenhäusern Prämien. "Uns ist derzeit immer noch kein konkreter Fall bekannt, in dem ein niedergelassener Arzt versucht hat, ein Krankenhaus zu erpressen", erklärte Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe. Es gebe aber "sehr viele Versuche von Krankenhäusern, den Ärzten unmoralische Angebote zu unterbreiten, um Patienten zu bekommen". Einzelfälle, in denen Ärzte Patienten-Prämien kassierten, wollte Hoppe nicht ausschließen. Er sieht einen Zusammenhang mit der "zunehmenden Kommerzialisierung der Patientenversorgung".

Wer sich als Patient nicht ausschließlich auf die Empfehlung eines Arztes verlassen will, kann sich über die Qualitätsberichte der Kliniken selbst ein Bild von Krankenhäusern machen. Solche Qualitätsberichte müssen alle zwei Jahre erstellt werden. Die Kliniken liefern die Daten, die Bundesstelle für Qualitätssicherung (BQS) wertet sie aus. Die Berichte selbst müssen veröffentlicht werden. Manche Kliniken stellen sie auf ihre homepage; sie können auch zentral (nach Postleitzahlen geordnet) im Internet abgerufen werden.

Die Berichte geben einen Überblick, welche Behandlungen ein Krankenhaus anbietet, und zeigen, welche Behandlungen, welche Diagnosen und welche Eingriffe in einer Fachabteilung am häufigsten erfolgten. Einige Angaben sind allerdings für Laien nicht verständlich. Hier können Krankenhaus-Checks helfen, wie sie einige Kassen anbieten.

Die Techniker-Krankenkasse zum Beispiel hat ihren Check auf der Grundlage von Qualitätsberichten erstellt. Dort zeigt ein Ampelsystem, ob die Leistungen einer Klinik auf verschiedenen Fachgebieten jeweils im grünen, gelben oder roten Bereich sind. Die AOK bietet einen Krankenhausnavigator an. Die Betriebskrankenkassen haben einen Klinkfinder entwickelt. Ein positives Zeichen kann es nach Ansicht des GKV-Spitzenverbandes sein, wenn eine Klink freiwillig mehr Daten geliefert hat, als sie muss.


 
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