| 10.47 Uhr

Nordkorea-Konflikt
Merkel geht auf Distanz zu den USA

Nordkorea-Konflikt: Angela Merkel geht auf Distanz zu den USA
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). FOTO: ap, SO
Berlin. Im Nordkorea-Konflikt drohte Donald Trump schon mit "Feuer und Wut". Eine Kriegsgefahr sieht Kanzlerin Merkel deshalb zwar noch nicht. Aber sollten Kämpfe ausbrechen, stehe Deutschland "nicht automatisch" an der Seite der USA. Von Eva Quadbeck

"Ich sehe für Nordkorea keine militärische Lösung", sagte Angela Merkel am Mittwoch in Berlin auf einer "Handelsblatt"-Veranstaltung. "Ich halte das für falsch. Die diplomatischen Mittel sind bei weitem nicht ausgeschöpft."

Auch die USA würden derzeit neben den militärischen Drohungen "eine Vielzahl diplomatischer Aktivitäten" entfalten, sagte die Bundeskanzlerin weiter. Auf die Frage, ob Deutschland im Kriegsfall automatisch an der Seite der USA stünden, antwortete Merkel: "Nein, nicht automatisch." Sie sehe aber derzeit keine Kriegsgefahr. 

Die Kanzlerin bezeichnete Amerika als "verunsichertes Land". Die Vereinigten Staaten erlebten eine Zäsur, die sich aus den "ernüchternden Ergebnissen" des internationalen amerikanischen Engagements nach 1990 ergeben habe. Aus Merkels Sicht ist die Wahl von Donald Trump dadurch "zum Teil" zu erklären.

"Trump ist der notwendige Respekt entgegenzubringen"

Zugleich wandte sich die Kanzlerin klar gegen einen Kurs der Abschottung. "Wir sollten begreifen, dass wir alle in der Globalisierung gewinnen können." Die USA ermahnte sie: "Amerika kann nicht groß sein, wenn Amerika nicht auch über seine Grenzen hinaus präsent ist."

Bei aller Abgrenzung zu Trump hob Merkel die demokratische Legitimation des US-Präsidenten hervor. "Dieser Person ist der notwendige Respekt entgegenzubringen." Sie bekräftigte das von den USA geforderte und im Bundestagswahlkampf umstrittene Ziel, die Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent zu erhöhen. Der Etat solle "maßvoll und angemessen" steigen. Den Vorwurf der SPD, die Union wolle dafür Sozialausgaben kürzen, wies sie zurück. "Wir werden überhaupt keine sozialen Ausgaben streichen."

Bühnengespräche nutzt Merkel gerne für kleine Anekdoten. Während die Kanzlerin derzeit von der SPD hart angegriffen wird, erzählte sie vom Start der ersten großen Koalition 2005 mit dem damaligen SPD-Chef Franz Müntefering als Vizekanzler. "Wird schon", habe dieser damals zu ihr gesagt. "Das hat mir gutgetan", erzählte Merkel. Dass Müntefering recht behielt, daran knacken die Sozialdemokraten heute noch.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Nordkorea-Konflikt: Angela Merkel geht auf Distanz zu den USA


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.