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Bildungsmonitor 2009: NRW bleibt Vorletzter

VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 21.08.2009 - 07:10

Düsseldorf (RP). Die gute Nachricht zuerst: Gegenüber dem ersten "Bildungsmonitor" im Jahr 2004 haben sich alle Bundesländer verbessert, vor allem Nordrhein-Westfalen. Doch – und das ist für NRW die schlechte Nachricht – das bevölkerungsreichste Bundesland rangiert auch in der neuen Bildungserhebung wie im Vorjahr an vorletzter Stelle. Schlechtere Werte wurden nur für Berlin ermittelt.

Immer mehr Schüler stehen unter Leistungsdruck - schon in der Grundschule.  Foto: AP, AP
Immer mehr Schüler stehen unter Leistungsdruck - schon in der Grundschule. Foto: AP, AP

Der Bildungsmonitor wird alljährlich vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) im Auftrag der arbeitgebernahen "Initiative neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) erstellt (siehe Infokasten). Das Hauptinteresse der Untersuchung richtet sich darauf, zu zeigen, inwieweit die Bildungslandschaft des jeweiligen Bundeslandes zum Wachstum der Wirtschaft beiträgt. Erfasst wird dabei der gesamte Bildungsbereich – von der Kindertagesstätte über die Schulen bis hin zu den Hochschulen.

Der neuesten Studie, die gestern in Köln vorgestellt wurde, liegen überwiegend die Zahlen aus dem Jahr 2007 zugrunde. Die zu vergebenen Bewertungspunkte wurden in 13 "Handlungsfeldern" vergeben.

Dazu zählen:

Zeiteffizienz 2007 wurden in NRW nur 0,8 Prozent der Grundschüler verspätet eingeschult. Dies ist laut Bildungsmonitor der zweitbeste Wert aller Bundesländer; der Bundesdurchschnitt lag bei 5,4 Prozent. Die Zeitverluste durch Sitzenbleiben bzw. Klassenwiederholungen an Schulen entsprach dem Bundesdurchschnitt. Überdurchschnittlich ist NRW bei der Umsetzung der Bachelor-Studiengänge: 2007 seien bereits 72,6 Prozent der Studienanfänger in Bachelor-Studiengängen eingeschrieben gewesen. Dies war der dritt-beste Wert in Deutschland (Bundesdurchschnitt: 60,2 Prozent). Besser waren nur Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Info

Rangfolge laut Bildungsmonitor *

Platz 1: Sachsen 79,48
Platz 2: Thüringen 75,28
Platz 3: Baden-Württemberg 73,12
Platz 4: Bayern 68,86
Platz 5: Niedersachsen 66,40
Platz 6: Bremen 64,65
Platz 7: Saarland 64,21
Platz 8: Rheinland-Pfalz 64,04
Platz 9: Sachsen-Anhalt 63,18
Platz 10: Mecklenburg-Vorpommern 62,55
Platz 11: Hessen 61,49
Platz 12: Brandenburg 61,32
Platz 13: Hamburg 61,23
Platz 14: Schleswig-Holstein 60,86
Platz 15: Nordrhein-Westfalen 60,46
Platz 16: Berlin 58,28 (2008: Platz 11)

* Durchschnittswerte aller Handlungsfelder

Input-Effizienz Der Bildungsmonitor bewertet das Verhältnis von Sachmittel- zu Personalausgaben in NRW als sehr gut: Auf 100 Euro an Personalkosten kamen rund 23 Euro an Sachausgaben. Dies war der höchste Wert in Deutschland. Im bundesweiten Durchschnitt waren es 17,2 Euro. Zwar sei 2007 auch an den nordrhein-westfälischen Hochschulen die Sachmittelausstattung sehr gut gewesen, doch war die Investitionsquote sehr niedrig. Zudem lag der Anteil des wissenschaftlichen Personals am Gesamtpersonal der Hochschulen mit 34,4 Prozent unter dem Durchschnitt in Deutschland. Dies bedeutet den vierten Platz hinter Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

Schulqualität Hier bezieht sich der Bildungsmonitor auf die PISA-Ergebnisse 2006 für Mathematik und Naturwissenschaften. Im Ländervergleich erreichte NRW damals nur den drittletzten Platz beim Handlungsfeld Schulqualität.

Betreuungsrelationen "Der Anteil der Schüler und Studierenden je Lehrer oder Dozent ist in NRW seit Jahren im Bundesvergleich sehr ungünstig – hat sich aber in den letzten Jahren an den Schulen und Hochschulen verbessert", stellt der Bildungsmonitor fest. Trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren seien auch die Relationen an den Grundschulen und an den weiterführenden Schulen schlechter als im Bundesdurchschnitt. Bundesweit die schlechtesten Relationen habe es an den Hochschulen gegeben: Auf eine Lehrkraft (Professor, Dozent, Lehrbeauftragter) kamen 2007 rechnerisch 24 Studierende (Bundesdurchschnitt: 15,4). Fünf Jahre zuvor sei die Relation mit 29,5 allerdings noch deutlich schlechter gewesen. Dennoch liegt NRW im neuen Bildungsmonitor bei diesem Bewertungspunkt an letzter Stelle.

Förder-Infrastruktur Gemeint sind vor allem Ganztagsbetreuung in Kindertagesstätten und Schulen sowie die Qualifizierung des Personals. NRW rangiert dabei auf dem neunten Platz im Ländervergleich.

MINT-Förderung In den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie (MINT) samt Ingenieurabsolventen lag NRW laut Bildungsmonitor im Jahr 2007 auf Platz elf. Am besten schnitt hier der Gesamtsieger Sachsen ab.

Akademisierung 52 Prozent aller Schüler eines Jahrgangs waren 2007 dazu berechtigt, ein Studium zu beginnen. Das war zwar bundesweit die höchste Quote an Studienberechtigten (Durchschnitt 44,3 Prozent). Da aber viele Studienanfänger in andere Bundesländer gingen – NRW war laut Bildungsmonitor 2007 ein "Nettoexporteur von Studienanfängern" – war der Anteil der Studienabsolventen von 4,1 Prozent an der akademischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter nur leicht überdurchschnittlich (bundesweit: 3,8 Prozent). In dieser Hinsicht belegt NRW Rang fünf im Bildungsmonitor.

Kritiker des Bildungssystems sehen sich durch den neuen Bildungsmonitor bestätigt. Dieser "entzaubere" die angeblichen Erfolge von Schwarz-Gelb, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Andreas Meyer-Lauber. Er forderte die Landesregierung auf, endlich für kleinere Schulklassen zu sorgen.

Gegenwehr Schulministerin Barbara Sommer (CDU) konterte, die Zahlen stammten aus den Jahren 2007 und 2006. Damals hätten sich die Reformen noch nicht auswirken können. Sie freue sich aber über den bereits erkennbaren "leichten Aufwärtstrend". Sommer ist sicher: Bei einer Erhebung mit aktuelleren Zahlen käme NRW zu einem deutlich besseren Rangplatz. Im Übrigen sei der Leistungsunterschied gering: So trennten lediglich fünf Punkte bei der Gesamtbewertung NRW von Niedersachsen, das auf Platz fünf landete.

Quelle: RP

 
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