Interview mit Lutz Lienenkämper: "NRW braucht neue Bau-Kultur"
zuletzt aktualisiert: 22.06.2009 - 07:42Düsseldorf (RP). Interview Lutz Lienenkämper (CDU), Minister für Bauen und Verkehr in NRW über Staus, hässliche Innenstädte und sein Verhältnis zu Schlagzeilen.
Herr Minister, jetzt werden Sie für die Staus auf den Straßen verantwortlich gemacht. Wie fühlt man sich dabei?
Lienenkämper Ich musste mich tatsächlich daran gewöhnen, dass plötzlich jeder Stau meiner ist. Doch im Ernst: Wir alle wollen mobil sein, also müssen dafür die Voraussetzungen geschaffen werden. Baustellen sind zwar ärgerlich, aber sie sichern Mobilität und schaffen Arbeitsplätze.
Früher gab es aus dem Bau- und Verkehrsministerium ein Feuerwerk von Schlagzeilen und Ankündigungen...
Lienenkämper Ich bin kein Typ für Schlagzeilen. Mir liegt daran, in der Sache voran zu kommen. Erst müssen alle Fakten auf den Tisch, dann gebe ich eine Einschätzung ab.
Wann kommt der Eiserne Rhein, die Schienenverbindung zwischen Antwerpen und Mönchengladbach?
Lienenkämper Ohne die finanzielle Beteiligung Belgiens geht es nicht. Ich will noch in diesem Sommer einen koordinierten Anlauf mit allen Beteiligten – Bund, Belgien und NRW – unternehmen, um zu einer Verständigung zu kommen.
Der Rhein-Ruhr-Express kommt 2015?
Lienenkämper Ich werde keine Jahreszahl nennen. Aber mit den Vorplanungen sind Bahn und Bund so weit wie nie zuvor.
Was bedeutet das Kölner Desaster für den U-Bahn-Bau generell?
Lienenkämper Zunächst einmal ist es gut, dass die Aufsichtsbehörde externen Sachverstand hinzuzieht. Jetzt muss man erst einmal abwarten, wie die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in der Schuldfrage ausgehen.
NRW-Ministerpräsident Rüttgers hat unlängst gefordert: Unsere Städte müssen schöner werden.
Lienenkämper Das beschäftigt auch mich in starkem Maße. Wir wollen die Städte in NRW lebenswerter machen und zu einer neuen Baukultur kommen. In zwanzig Jahren, zum 80. Geburtstag von NRW, soll das Land zur Referenzregion für moderne Architektur werden. Die Gehry-Häuser in Düsseldorf und die Entwürfe von Foster-Bau für den Duisburger Innenhafen haben wichtige Akzente gesetzt.
Finden Sie die NRW-Städte hässlich?
Lienenkämper Nein. Aber es gibt vielerorts einen Optimierungsbedarf. Wir müssen dem Trend zur Reurbanisierung gerecht werden. Immer mehr ältere Leute zieht es in die Innenstädte zurück. Dort brauchen wir mehr Barrierefreiheit, kurze Wege und mehr Ästhetik.
Luxus hat meist seinen Preis...
Lienenkämper Man kann auch für kleines Geld anspruchsvoll bauen. Nehmen sie das Treppenhaus im Schloss Brühl. Das sieht so aus, als ob es aus Marmor wäre. Tatsächlich wurden dort Eierschalen verarbeitet. Das ist "effiziente Ästhetik".
Wie sieht der neue Lienenkämper-Stil für NRW aus?
Lienenkämper Es geht mir nicht darum, einen bestimmten Stil vorzugeben. Ich möchte eine Diskussion über eine neue Baukultur in Gang setzen. Wir wollen Angebote machen, die Planer, Architekten und Bauherrn nutzen können. Und das Land soll selbst vorbildlich bauen.
Das Innenministerium ist marode. Planen Sie einen schicken Neubau im Regierungsviertel?
Lienenkämper Da stehen derzeit keine Umzüge zur Debatte.
Wie wollen Sie Ihre Pläne konkret umsetzen?
Lienenkämper Grundsätzlich halte es für das richtige Signal, wenn öffentliche Gebäude nicht nur als Zweckbauten geplant werden. Zum einen können wir Referenzobjekte ausweisen und Architekturwettbewerbe fördern. Dazu stellen wir in diesem Jahr insgesamt 500 000 Euro für acht Architekturwettbewerbe für Landesbauten bereit. Wettbewerbe sind das zentrale Instrument für eine bessere Baukultur.
Zum Anderen?
Lienenkämper Schaffen wir im Haushalt erstmals einen Titel, mit dem man auch den Abriss von Gebäuden fördert. Viele Wohnanlagen aus den 70er Jahren entsprechen nicht mehr den Bedürfnissen künftiger Mietergenerationen.
Plattenbauten sind oft soziale Brennpunkte. Wollen Sie die abreißen und woanders schöner neu errichten?
Lienenkämper Nein. Es geht darum, die vorhandene Substanz zu modernisieren. Dazu kann auch ein Teilabriss erforderlich sein.
Wie steht es um die Zukunft des Sozialen Wohnungsbaus?
Lienenkämper Die ist absolut gesichert. Ich verstehe die Aufregung um dieses Thema nicht. Wir werden 2010 wahrscheinlich sogar mehr Geld für den Wohnungsbau ausgeben als in diesem Jahr.
Detlev Hüwel und Gerhard Voogt fassten das Interview zusammen.
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