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Platz zwölf Bildungsmonitor 2011: NRW im Bildungstief

VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 17.08.2011 - 07:25

Berlin (RP). Der Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sieht Verbesserungen in Deutschland. NRW aber liegt im Länder-Ranking weit hinten. Die Musterschüler wohnen im Osten.

Zehn Jahre nach dem Pisa-Schock sehen Wissenschaftler das deutsche Bildungssystem auf einem guten Weg. Das Angebot an Ganztagsschulen ist gestiegen, das Zahlenverhältnis Schüler/Lehrer konnte verbessert werden, die Zahl der Abiturienten wächst, während die der Schulabbrecher sinkt. Auch die Bildungsgerechtigkeit hat sich verbessert: Heute schaffen mehr Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern Abitur und Studium als noch vor zehn Jahren.

Schlechte Nachrichten gibt es aber für Nordrhein-Westfalen. Mit Platz zwölf von 16 Bundesländern gehört das bevölkerungsreichste Land zu den Schlusslichtern. In vielen anderen Ländern ist die Dynamik der Bildungssysteme größer. Im Gegensatz zum Bundestrend ist es an Rhein und Ruhr auch nicht gelungen, die Zahl der Schulabbrecher weiter zu verringern. Allerdings ist die Quote im bundesweiten Vergleich mit 6,1 Prozent ohnehin relativ gering.

Löhrmann mit sich zufrieden

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sieht ihre Politik dennoch auf dem richtigen Weg: "Der Bildungsmonitor zeigt, dass die rot-grüne Landesregierung die Weichen in der Bildungspolitik richtig gestellt hat", sagte sie. Sie forderte gleichzeitig, der Bund müsse sich an Investitionen in die Bildung beteiligen.

Als Deutschlands Musterschüler sind wie auch im vergangenen Jahr die Sachsen und Thüringer hervorgegangen. Sie seien die "Kaderschmieden" für den Nachwuchs in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern, heißt es in der Studie. Die beiden ostdeutschen Länder liegen noch vor Bayern und Baden-Württemberg, die bei Schulstudien wie Pisa und Iglu ebenfalls stets vordere Plätze belegen.

Seit 2004 legt die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) jährlich ein Länderranking der Bildungssysteme vor. Ihr Blickwinkel ist ökonomisch und zielt auf den Nutzen des Bildungssystems für Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt. Die Wissenschaftler loben beispielsweise, dass die Wertschöpfung in Deutschland im Jahr 2009 allein durch die Zunahme der Hochschulabsolventen seit 2000 um 6,8 Milliarden Euro gestiegen sei. Die Wissenschaftler nehmen alle Bildungsbereiche von der Kita bis zur Uni unter die Lupe. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisierte, die Studie blende bildungspolitische und pädagogische Fragen aus.

Im Langzeitvergleich steigt die Qualität stark an

Erhebliche Qualitätssteigerungen gibt es der Studie zufolge in allen Ländern. "Die Dynamik der Verbesserungen wird daran deutlich, dass Berlin mit dem aktuellen Ergebnis im ersten Bildungsmonitor 2004 mit Abstand den ersten Rang belegt hätte", heißt es in der Studie. In Zahlen: 2004 gaben die Wissenschaftler Berlin 43 Punkte. Der damalige Sieger Bayern erhielt 58 Punkte. Heute hat Berlin 63 Punkte und Sieger Sachsen 84 Punkte. Mecklenburg-Vorpommern konnte sich am meisten von allen Ländern verbessern.

Eine Erklärung für das gute Abschneiden der ostdeutschen Länder Sachsen und Thüringen ist ihre Stärke im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Denn damit schlagen sie aus Sicht der Wissenschaftler gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Durch die Ausbildung von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern liefern sie Deutschland, dessen wirtschaftlicher Erfolg von der exportstarken Hochtechnologiebranche abhänge, den Nachwuchs. Zugleich sind die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer offenbar dazu geeignet, Kindern aus bildungsfernen Familien den Aufstieg zu erleichtern. Der Beleg dafür: Zwischen 2001 und 2009 waren 74 Prozent aller Ingenieure in Deutschland Bildungsaufsteiger. "Damit ist der Ingenieurberuf mit deutlichem Vorsprung der Top-Beruf für soziale Aufsteiger und steht prototypisch für sozialen Aufstieg durch Bildung, da Aufstiegschancen hier am wenigsten vom elterlichen Bildungshintergrund abhängig sind", heißt es in der Studie. Auf dem zweiten Platz in Bezug auf Durchlässigkeit folgten mit einem Anteil von 69 Prozent Informatiker, Biologen und Chemiker.

Während die ostdeutschen Länder in den technischen Fächern besonders stark sind, bieten Baden-Württemberg und Bayern der Studie zufolge die besten Startchancen für den Übergang in den Job.

Handwerker noch nicht zufrieden mit Nachwuchs

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler, bestätigt den Trend zu mehr Qualität im Bildungssystem. "Die Fortschritte im Bildungssystem sind durchaus spürbar. Schon die Entwicklung bei der Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss macht Mut, sie ging von 7,5 Prozent 2008 auf sieben Prozent 2009 herunter", sagte Kentzler unserer Zeitung.

Zufrieden sind die Handwerker aber noch nicht mit der Ausbildungsreife des Nachwuchses. Zur Ausbildungsreife gehöre, dass die Jugendlichen die deutsche Sprache beherrschten sowie schreiben und rechnen könnten. Kentzler: "Hier gibt es immer noch große Defizite." Damit auch sozial benachteiligte Kinder und alle jungen Menschen aus Migrantenfamilien Erfolg haben, müsse die frühkindliche Förderung weiter verbessert werden, forderte der Handwerkspräsident. "Außerdem brauchen wir noch mehr Ganztagsangebote im Kindergarten und in den Schulen."

Wichtig sei auch eine Verbesserung der Berufsorientierung an Schulen. In diesem Zusammenhang lobt Kentzler die Partnerschaften von Schulen und handwerklichen Bildungsstätten. Der Anteil der Lehrlinge, die ihre Abschlussprüfung bestehen, hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert. In Nordrhein-Westfalen ist er von knapp 85 Prozent im Jahr 2000 auf heute knapp 91 Prozent gestiegen. Mit dieser Quote liegt NRW im Ländervergleich immerhin im Mittelfeld.

Quelle: RP

 
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